Bremen/Kiel. Die Konjunktur in der deutschen Logistikwirtschaft hat die während des letzten Jahres zu verzeichnende Talfahrt gestoppt und sich zum Jahresauftakt leicht über dem Vorquartalsniveau stabilisiert. Das geht aus der jüngsten Erhebung (Februar-Befragung) zum Logistik-Indikator hervor, den das Institut für Weltwirtschaft (IfW) im Auftrag der Bundesvereinigung Logistik (BLV) ermittelt. Der Klimawert für die Gesamtlogistik liegt nun bei 108,6 Punkten (nach 105 im Vorquartal). Zwar gab die Lageeinschätzung weiterhin leicht nach (Rückgang um 3 Zähler auf 109,5 Punkte), dies wurde aber durch eine merkliche Aufhellung der Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate mehr als wettgemacht (Anstieg um 10,5 auf jetzt 107,7 Punkte).
Mit dem Überschreiten der neutralen 100-er Marke sind laut IfW die Aussichten für die Konjunkturentwicklung in der Logistikwirtschaft wieder deutlicher aufwärts gerichtet. In der Klimatendenz bewegen sich die beiden Marktseiten derzeit uneinheitlich: Während sich die Einschätzungen auf der Anbieterseite (Logistikdienstleister) deutlich aufhellte (102,5 Punkte nach 92,7 vor drei Monaten), hat sich das Klima auf der Auftraggeberseite (Industrie und Handel) leicht eingetrübt und gab um 2,5 Zähler auf nunmehr 114,7 Punkte nach.
Zuversichtlicher Blick in die Zukunft
„Die Logistikdienstleister signalisieren eine positive Einschätzung von Geschäftslage und Erwartungen. Die Logistiker in Industrie und Handel teilen diese Zuversicht beim Blick in die Zukunft. Ihre Lageeinschätzung bestätigt eher die verhaltenen Erwartungen des Vorquartals“, bewertet BVL-Vorstandsvorsitzender Raimund Klinkner die aktuellen Indikatorwerte. Insgesamt stünden alle Komponenten des Logistik-Indikators wieder deutlich oberhalb des Normalniveaus. Somit seien die Aussichten für die Konjunkturentwicklung in der Logistikwirtschaft wieder deutlicher aufwärts gerichtet, so Klinkner weiter.
Risiken Energiepreise und Eurokrise
Die Sonderfrage in der Untersuchung nach den größten Risiken für die Logistikkonjunktur im laufenden Jahr ergab auf beiden Marktseiten im Großen und Ganzen ein ähnliches Muster, so das IfW. Sorgen macht den Logistikern vor allem eine mögliche Verteuerung der Energie- und Rohstoffpreise, während die Sicherheit der Energieversorgung auf Jahresfrist allenfalls als mittleres Risiko, überwiegend aber nicht als nennenswerte Gefahr für die Logistikaktivität gesehen wird. Die schwelende Eurokrise steht auf beiden Marktseiten weit oben auf dem Risikoradar, wobei sich die Befragten aus Industrie und Handel besonders besorgt zeigen, so Kieler Institut.
Der Logistik-Indikator wird vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) an der Universität Kiel für die Bundesvereinigung Logistik (BVL) berechnet. Konstruktionsgemäß kann der Indikator Werte zwischen 0 und 200 annehmen, wobei ein Wert von 100 eine konjunkturelle Normalsituation kennzeichnet (befriedigende und stabile Geschäfts- und Auftragslage mit normaler Kapazitätsauslastung). (ak)