Statt das Chaos beim Zoll auszutrocknen, sorgen die Stichproben des russischen Rechnungshofes vorerst für neuen Wildwuchs. Dies ist das Ergebnis von Untersuchungen der Rechnungsprüfer beim zentralen Zollkomitee, das von einer "Hexenjagd" auf seinen Vorsitzenden Michail Wanin spricht. Bislang hatte der Zoll in einer Weise gearbeitet, die bereits Wanins Vorgänger Anatolij Kruglow während seiner siebenjährigen Amtszeit durchgesetzt hatte. Neben regulären Tarifen berechneten die Beamten "graue Gebühren" für umdeklarierte Waren, die trotz der Korruptionprovision ungleich preiswerter waren. Fernseher kamen als Lampen oder elektronische Geräte als Stecker ins Land. Von den grauen Gebühren erhielt die Staatskasse - sie füllt sich zu einem guten Drittel aus Zolleinnahmen - meist 80 Prozent. Jetzt soll Zollchef Wanin offensichtlich über die Prüfungen vom Rechnungshof seinen Platz für einen Kremlfavoriten, den bisherigen Leiter der nordwestlichen Zollverwaltung, Wladimir Schamachow, räumen. Vorerst aber herrscht vor allem Verwirrung im Amtsapparat. Die Folgen sind Willkür und neues Chaos. (vr/jpd)
Kader kontra Kontrolle
Willkür und Chaos kennzeichnen russischen Zoll