ISL: Containerschifffahrt steckt weiter in tiefer Krise

17.03.2010 17:30 Uhr
Containerschiffe auf Elbe
Derzeit ist das rasante Wachstum der weitweiten Containerflotte gestoppt
© Foto: Eckhard-Herbert Arndt

Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik rechnet mit wieder steigenden Charterraten / Überangebot bleibt vorerst bestehen

Bremen. Die weltweite Containerschifffahrt befindet sich weiterhin in einer tiefen Krise. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Marktstudie des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) aus Bremen, welche die Entwicklungstendenzen der einzelnen Größenbereiche der Containerflotten untersucht hat. Zwar gab es laut ISL zur Jahreswende 2009/2010 in der Linienschifffahrt positive Nachrichten über hohe Kapazitätsauslastungen und deutlich steigende Frachtraten, aber insgesamt sei der Markt von einem deutlichen Überangebot an Tonnage gekennzeichnet, das sich in der Zahl inaktiver Containerschiffe niederschlage. Das Flottenwachstum hat sich als Folge der globalen Wirtschaftskrise deutlich verlangsamt. So wurden im Verlauf des Jahres 2009 mehr als 200 Containerschiffe weniger angeliefert und in Fahrt gesetzt, als dies laut Orderbuch der Werften zunächst geplant war. Gleichzeitig wurde laut ISL in Reaktion auf die Überkapazität und in Kombination mit wieder anziehenden Bunkerölpreisen die Strategie des Slow- oder sogar des Ultra-Slow-Steaming umgesetzt. Dadurch haben die Linien große Teile der Tonnage im Einsatz gehalten und Bunker- durch Kapitalkosten ersetzt. Unter anderem auch deshalb weil letztere aufgrund des Vorhandenseins der Schiffe letztlich vernachlässigbar waren. Bislang sind Bauaufträge für Containerschiffe mit Stellplätzen für rund eine halbe Million Standardcontainer (TEU) storniert worden. Zwar würden weitere Stornierungen erwartet, aber das Flottenwachstum wird sich nach Experteneinschätzung im Jahr 2010 tendenziell wieder beschleunigen. Zukünftig werden sich stornierte Neubauaufträge und die Verschrottung älterer Einheiten entlastend auf das Flottenwachstum auswirken. Letzterer Faktor läuft jedoch nach dem Rekordverschrottungsjahr 2009 tendenziell aus und auch die verzögerte Ablieferung der Neubauten verliert angesichts der nun einsetzenden Ablieferungen aus früheren Quartalen verschobener Bauaufträge an Bedeutung und kehrt sich langfristig sogar um. Insgesamt erwartet das ISL unter Berücksichtigung weiterer Stornierungen und Verschrottungen im Jahr 2010 ein Kapazitätswachstum von gut neun Prozent. Dabei erwartet das ISL für die unterschiedlichen Containerflotten abweichende Erholungsperspektiven. Bei dem Segment der Schiffe mit einer Kapazität bis 3000 TEU ist demnach effektiv mit einer rückläufigen Kapazität zu rechnen. Unerwartet hoch fielen hier unter anderem die bestätigten Stornierungen von Neubauaufträgen aus. Ein Abbau des Angebotsüberhangs werde bis zum Ende des Jahres 2012 erwartet, dabei für die kleineren Einheiten tendenziell früher. Die Kapazität der Einheiten von 3000 bis 5000 TEU dürfte nach Ansicht des ISL kurzfristig im gleichen Umfang wachsen wie die Nachfrage. Beim Schiffssegment oberhalb von 5000 TEU Kapazität erwartet des Bremer Institut angesichts der zuletzt gemeldeten hohen Auslastungsgrade in der Fernostfahrt sowie der anhaltend hohen Bunkerpreise kurzfristig das Potenzial, neue Kapazitäten aufzunehmen, die über das Wachstum der Marktnachfrage hinaus gehen. Dennoch liege insbesondere bei den sehr großen Einheiten ein Auftragsbestand vor, der auch optimistische Nachfrageprognosen kurz bis mittelfristig übersteige. Trotz der derzeit erwarteten zusätzlichen Verzögerungen und Stornierungen werde sich deshalb in diesem Segment ein Angebotsüberhang aufbauen, der nur zu einem geringen Umfang von der Aufhellung der Marktperspektiven in den unteren Größenbereichen profitieren dürfte. Bezüglich der Charterraten rechnet das ISL mit einer leichte Erholung, sobald sich die Nachfragelücke zu schließen beginnt. Somit dürften bereits im Vorfeld des berechneten Marktgleichgewichts wieder steigende Charterraten zu beobachten sein. Dafür spricht, so das ISL, dass in den vergangenen Wochen erstmalig wieder längere Charterkontrakte geschlossen wurden. (sb)

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