Interview der Woche: "Man wird um eine Preiserhöhung nicht umhinkommen"

30.10.2008 11:19 Uhr
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<i>LOGISTIK</i> inside im Gespräch mit DPD-Chef Arnold Schroven zu fallenden Dieselpreisen, Preiserhöhungen und der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise

Unser aktuelles Interview der Woche: Im Gespräch mit LOGISTIK inside hat sich DPD-Chef Arnold Schroven, CEO DPD Dynamic Parcel Distribution GmbH & Co KG Aschaffenburg, zu fallenden Dieselpreisen, Preiserhöhungen und der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise geäußert. LOGISTIK inside: Herr Schroven, Rohöl- und Dieselpreis sind drastisch gefallen. Fällt damit auch der Dieselzuschlag von DPD?Schroven:

Wir haben eine Situation, wo unser Dieselpreisindex runtergeht. Damit schmilzt auch der Zuschlag. Ob wir einen Indexwert von Null und damit ein Wegfallen des Zuschlages erreichen, kann ich Ihnen derzeit noch nicht sagen. Wann erreich Ihr Index „Null“? Ich glaube, wenn der Dieselpreis, brutto, also inklusive Mehrwertsteuer, 1,03 Euro kostet. Welche Erwartungen haben Sie an den Dieselpreis? Es sieht im Moment so aus, dass der Rohölpreis sich doch weit unter hundert Dollar einpendelt. Die Dieselpreise werden nach meiner persönlichen Einschätzung aber auf dem momentanen Niveau verharren. Es kann mal ein bisschen hoch gehen und ein bisschen runter gehen, aber dass wir wieder Dieselpreise unterhalb von einem Euro sehen … nein, glaube ich nicht. Wir rechnen derzeit damit, dass das heutige Niveau, also ein Preis von rund 1,25 Euro mehr oder weniger, auch fürs nächste Jahr gilt. Neben dem Dieselzuschlag gibt es ja auch allgemeine Preiserhöhungen in der Branche, die auch mit steigenden Energiepreisen begründet wurden. Können die durchgeführten und geplanten Preiserhöhungen also wieder zurückgenommen werden? Nein, ich bin persönlich davon überzeugt, dass die Preiserhöhungen, die für Beginn des kommenden Jahres angekündigt wurden, weiterhin um die fünf Prozent betragen werden. Der Mix aus hohen Energiepreisen und gestiegenen Lohnkosten sowie die gesetzlichen Auflagen, die unsere Industrie erfüllen muss, machen eine solche Preissteigerung unumgänglich. In der Vergangenheit war es so, dass man durch grundsolides Mengenwachstum steigende Kosten zumindest teilweise kompensieren konnte. Dies ist aufgrund der Finanzkrise diesmal nicht möglich. Niemand in der Branche glaubt an ein großes Wachstum im nächsten Jahr. Man wird um eine Preiserhöhung nicht umhinkommen. Das ist meine klare Erwartung für den Start ins Jahr 2009. Welche Rolle spielt die Erhöhung der LKW-Maut? Die beschlossenen neuen Mautsätze führen bei uns zu einer Erhöhung der Maut um 55 Prozent. Das ist eine gewaltige Erhöhung. Man muss hier noch genau hinschauen, welche Euronorm die Fahrzeuge erfüllen, die eingesetzt werden. Wir werden von unseren Kunden eine Mauterhöhung von 55 Prozent einfordern. Wer heute 10 Cent Maut pro Paket hat, wird künftig 15,5 Cent zahlen müssen. Das wird in diesem Bereich wohl unumgänglich sein. Bei der Ersteinführung der Maut wurde das gleiche Verfahren eigentlich von allen Beteiligten so durchgeführt und das sehe ich eins zu eins jetzt zum 1. Januar 2009 auch auf uns zukommen. Welche Auswirkungen hat die Finanzkrise auf die KEP-Branche? Wir hatten alle ein sehr gutes erstes Halbjahr. Fast alle Unternehmen haben wachsen können. Seit Mitte des Jahres ist die Wachstumsgeschwindigkeit jedoch abgebremst. Ich kann speziell von DPD sagen, im Vergleich zum Vorjahr wachsen wir noch, allerdings hat sich das Wachstum seit Mitte des Jahres abgeschwächt. Wir gehen auch davon aus, dass dieses gebremste Wachstum sich in 2009 fortsetzt. Wir glauben nicht an eine klassische Rezession, denken aber, dass es hier und da Veränderungen geben wird, dass uns auch unsere Kunden teilweise nicht die gleiche Anzahl von Paketen übergeben werden können. Daher gehen wir von einem Wachstum zwischen null und einem Prozent für nächstes Jahr aus. Und das ist eigentlich die Fortsetzung dessen, was wir im Moment schon sehen. Wo werden sie 2008 in Summe beim Wachstum landen? Insgesamt gehe ich davon aus, dass wir in diesem Jahr noch 2 bis 2,5 Prozent Wachstum vorweisen können. Bezieht sich dieser Wert auf Deutschland? Ja, er gilt aber ebenso für Zentraleuropa. Mit Spannung erwartet unsere Branche das Weihnachtsgeschäft. Das ist normalerweise unsere Hochsaison. Noch sind wir optimistisch. Die Situation ist aber schwer abschätzbar. Viel hängt von der Stimmung der Konsumenten ab. Wir können es alle gemeinsam kaputt reden, dann wird es auch so kommen. Oder wir können alle gemeinsam versuchen zu sagen, OK, das ist eine Delle, aber das schaffen wir auch wieder und lass uns nach vorne schauen. Wo sehen Sie die Zukunft der Marke DPD? DPD möchte im Bereich der straßengeführten B2B-Pakete die Nummer 1 in Europa werden. Das ist der Ehrgeiz, den wir haben. In Deutschland sind wir mit einem Marktanteil von 30 Prozent schon Marktführer, das gibt selbst der Wettbewerb zu. In anderen Ländern Europas wollen wir das noch werden. Sehen Sie sich als deutsches Unternehmen? Nein, überhaupt nicht mehr. Wir sind mittlerweile in 39 Ländern aktiv. Wir haben deutsche Wurzeln, sind aber bereits zu Beginn der 90er Jahre, als sich der Europäische Markt entwickelte und die Zollgrenzen fielen, peu à peu insbesondere in die Länder der Europäischen Union gegangen. Vielen Dank für das Gespräch! Das Interview führte Andre Kranke

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