Berlin. Ein Börsengang der Deutschen Bahn im Jahr 2006 ist nach Ansicht eines von der Bundesregierung in Auftrag gegebenen Gutachtens nur mit höheren Gewinnzielen des Unternehmens und weit reichenden Zusagen des Bundes möglich. In der 1500 Seiten starken Studie der Morgan Stanley Investmentbank heißt es, die Bahn müsse deshalb im kommenden Jahr eine Planung für 2006 bis 2010 vorlegen, die die Vorgaben des Kapitalmarktes, insbesondere die Erwirtschaftung ihrer Kapitalkosten, innerhalb von zwei Jahren glaubwürdig dokumentiere. Unter den derzeitigen Parametern werde die Kapitalmarktfähigkeit „bis 2008 nicht erreicht“. Vom Bund erwarten die Banker, dass dem Schienennetz über zehn Jahre jeweils 2,5 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden. In Regierungskreisen wurde dazu betont, das Bundesfinanzministerium habe dies zumindest bis 2008 zugesagt. Ferner müssten die so genannten Regionalisierungsmittel, die der Bund den Ländern für den Nahverkehr zuteilt, über 2008 hinaus verlängert werden. Der Bündnis-Grüne Verkehrsexperte Albert Schmidt meinte, der von dem Unternehmen 2006 angestrebte Gang an den Kapitalmarkt sei utopisch. Die Koalition wolle „nicht Planungen sehen, sondern Fakten“. Der verkehrspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Dirk Fischer, warnte vor einem Börsengang zu Lasten der Steuerzahler. Es sei ein Fehler gewesen, den Auftrag für das Gutachten nur auf eine einzig mögliche Planungsvariante zu beziehen, nämlich die Privatisierung aller Teilgesellschaften der DB AG mit Netz. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte sich Mitte Januar für einen Börsengang der Bahn ausgesprochen, sofern die Bahn ab diesem Jahr schwarze Zahlen schreibt. Das Thema Börsengang sollte am vergangenen Mittwoch auch im Bundeskabinett diskutiert werden. (vr/jök.)
Hohe Hürden für Börsengang der Bahn – Bundestag sieht große Risiken
Studie der Morgan Stanley Investmentbank untersucht Kapitalmarktfähigkeit des Bahnkonzerns