Hamburg/Hannover. Der geplante Verkauf der größten deutschen Reederei Hapag-Lloyd kommt in die heiße Phase. Spätestens an diesem Montag (21.7.) müssen die Kaufinteressenten bei der Muttergesellschaft TUI ihre Angebote abgeben. Offiziell halten sich die meisten Beteiligten strikt zurück und geben keine Details aus dem Verkaufsprozess preis. Doch hinter den Kulissen hat sich einiges getan, seitdem TUI-Chef Michael Frenzel persönlich im Juni sein Verkaufsangebot bei Reedereien in Asien vorbeigebracht hat. In Hamburg steigt die Hoffnung, dass ein Verkauf des hanseatischen Traditionsunternehmens nach Singapur oder Hongkong zu verhindern ist. Der politische Rückenwind für die so genannte Hamburger Lösung, den Verkauf der Reederei an Hamburger Investoren, ist deutlich stärker geworden. Der schwarz-grüne Senat, der sich erst eher symbolisch hinter die Investorentruppe um den Transportunternehmer Klaus-Michael Kühne gestellt hatte, zeigt nun Flagge und will mit einem dreistelligen Millionenbetrag dabei sein. Wirtschaftssenator Axel Gedaschko (CDU) nannte es „einen unfreundlichen Akt gegenüber der Stadt Hamburg“, sollte ein Konkurrent die Reederei erwerben und die Hauptverwaltung am Ballindamm über Bord gehen lassen. An dem Unternehmen hängen nicht nur 2000 Hamburger Arbeitsplätze und ein beträchtlicher Teil des Hafenumschlags, sondern auch Tradition, Geschichte und Emotionen. Der Hapag verdankt Hamburg zumindest zum Teil den Aufstieg zum Welthafen und großen Wohlstand. Um den Verkauf zu verhindern, hat sich Hamburg auch Unterstützung von der Bundesregierung aus Berlin geholt. Wie die potenziellen Erwerber in Asien, vor allem die Reederei NOL aus Singapur, auf die harsche Abfuhr aus der Hansestadt reagieren, ist offiziell nicht bekannt. Kenner der asiatischen Mentalität meinen Zeichen zu erkennen, nach denen die Hamburger Signale in Fernost durchaus empfangen werden. So musste überraschend mitten im Bieterverfahren der deutsche NOL-Chef und Frenzel-Kumpel Thomas Held seinen Chefsessel räumen. Wie sein Nachfolger Ronald Widdows zu den Übernahme-Plänen steht, sagt er öffentlich nicht. Generell neigten asiatische Unternehmen nicht zu feindlichen Übernahmen gegen starke Widerstände, ist aus der Branche zu hören. Der norwegische Reeder und TUI-Großaktionär John Fredriksen, auf dessen Druck sich Frenzel überhaupt erst von der Schifffahrtssparte trennen will, ist inzwischen auch strikt gegen einen Verkauf, weil der optimale Zeitpunkt verstrichen sei. „Der Ölpreis und die abkühlende Weltkonjunktur drücken die Bewertung aller Container-Reedereien“, argumentiert der streitbare Milliardär. Er will die Reederei lieber abtrennen vom Konzern – sie solle sich eigenständig weiterentwickeln. Ob unter diesen Umständen der angepeilte Verkaufserlös von bis zu fünf Milliarden Euro zu erzielen ist, wird immer fraglicher. Fredriksen würde die TUI gern in eine Schifffahrts- und eine Touristik-Sparte aufgespalten sehen, um sich dann bei der Reederei zu engagieren. Der TUI- Aufsichtsrat hat erst kürzlich dagegen etwa die Anleihen des Konzerns vorgebracht, die bei einem solchen Verfahren in Milliardenhöhe zurückgezahlt werden müssten. Frenzel gab von Anfang an einem Verkauf den Vorzug unter allen Alternativen und hat dafür die Rückendeckung der Mehrheit seiner Anteilseigner. Fredriksen bemüht sich nun um Allianzen mit anderen TUI-Großaktionären oder mit den Hamburger Investoren, bislang aber ohne sichtbaren Erfolg. Läuft es schlecht für den schwer berechenbaren Norweger, ist er bald Aktionär eines Touristik-Unternehmens ohne Schifffahrt, an dem er gar kein strategisches Interesse hat. Wie der Weg aus dieser verfahrenen Lage aussehen könnte, ist offen. TUI will bis Mitte August die Angebote prüfen und dann eventuell eine zweite Bieterrunde einleiten. Oder alles kommt ganz anders. Schon einmal stand Hapag-Lloyd vor vier Jahren knapp vor einem Börsengang, der dann wieder abgeblasen wurde. Den Arbeitnehmern jedenfalls wäre ebenso wie den Hamburger Politikern die Hamburger Lösung am liebsten. Sie sehnen sich nach all den Stürmen unter TUI-Kommando nach einem sicheren Hafen. (dpa/sv)
Hapag-Lloyd-Verkauf in der heißen Phase
Hapag-Llyod-Verkauf kommt in Schwung, bis Montag müssen die Angebot bei TUI sein – Asiaten scheuen feindliche Übernahmen