Hamburg. Für große Verärgerung in der Hamburger Hafenwirtschaft sorgen Äußerungen der Hamburger Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach über den möglichen Neubau eines kompletten Universitätscampus innerhalb des Freihafens. „Das ist geschäftsschädigend für unseren Hafen und verunsichert zudem unsere Kunden“, erklärte Norman Zurke, Geschäftsführer beim Unternehmensverband Hafen Hamburg (UVHH), gegenüber der VerkehrsRundschau. In dem Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“ hatte die Senatorin noch einmal die Idee für den vollständigen Neubau der Hamburger Universität dargelegt. Als Fläche hat sie dabei das Gebiet des so genannten „Kleinen Grasbrook“ im Auge. Das Areal bildet den nördlichen Rand des Freihafens. Auf dieser Fläche befinden sich unter anderem das Kühl- und Fruchtumschlagzentrum der HHLA, verschiedenen Speditionen sowie ein Terminal für Ro-Ro-Verkehre. Die Anlagen sind in den zurückliegenden Jahren mit erheblichen Mitteln neu – und ausgebaut beziehungsweise modernisiert worden. Nach wie vor investieren die Unternehmen in die Ertüchtigung dieses Freihafenkerngebietes. Nach UVHH-Erkenntnissen halten die auf dem „Kleinen Grasbrook“ angesiedelten Hafenunternehmen rund 1000 Arbeitsplätze vor. Zurke: „Jährlich werden hier 500 Schiffe abgefertigt, Tendenz steigend.“ Ihre Überlegungen für eine Verlagerung und vollständigen Neuerrichtung der Universität begründet CDU-Senatorin Gundelach unter anderem mit der Möglichkeit, Gebäude zu errichten, die endlich den Ansprüchen an eine moderne, leistungsfähige Wissenschaftsausbildung gerecht würden. Für den Hafen stelle eine innerhalb seiner Grenzen errichtete Universität „eine neue Perspektive dar“, so die Senatorin. Bislang habe „der Hafen die Politik sehr dominiert“. Zwar werde er „auch künftig eine zentrale Rolle einnehmen, aber man muss sich die Frage stellen dürfen, ob er in 100 Jahren auch noch diese Bedeutung hat“. Und weiter: „Wenn sich das relativiert, wir aber unseren Lebensstandard halten wollen, muss man sich darüber doch Gedanken machen“. Die Kosten für das Jahrhundertprojekt beziffert Gundelach auf „grob geschätzt“ rund 1,5 Milliarden Euro. Für UVHH-Geschäftsführer Zurke ist es nicht nachvollziehbar, auf welchem konkreten Wissen die Senatorin ihre Annahme stützt, wonach der Hamburger Hafen langfristig für den Stadtstaat an Bedeutung verlieren könnte. Immerhin blicke man auf eine 800-jährige Hafengeschichte zurück. „Auch künftig wird der Hafen seine Bedeutung als Handels – und Logistikdrehscheibe nicht verlieren“, stellte Zurke klar. Das Herauslösen von Hafenflächen für andere, nicht an den Hafen gebundene Zwecke werde aber dazu führen, dass Firmen abwandern und damit auch Arbeitsplätze wegfallen. Damit nicht genug: Dem Stadstaat würden damit wichtige Einnahmen und Steuern dauerhaft verloren gehen. Für Zurke steht daher fest: „Die knappen Hafenflächen müssen dauerhaft auch für Hafenzwecke genutzt werden. Das fordert die Hafenwirtschaft.“ (eha)
Hamburger Hafenwirtschaft entsetzt: Senatorin will Uni im Hafen ansiedeln
Pläne für Umzug der Hamburger Universität in den Freihafen / CDU-Bildungssenatorin will Hamburgs Abhängigkeit vom Hafen lösen