Rotterdam. Der Chef des Rotterdamer Hafenbetriebs HbR, Hans Smits, schöpft Hoffnung: „ Es gibt beim Umschlag Anzeichen für eine Trendwende“, erklärte Smits heute in Rotterdam anlässlich der Vorlage der Umschlagzahlen für den Zeitraum Januar bis September 2009. Mit rund 283,4 Millionen Tonnen liegt der Güterumschlag um 11,9 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahresvergleichszeitraum. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr betrug der Rückstand noch 13,4 Prozent. Für 2009 geht Smits derzeit von einem Umschlagrückgang in der Größenordnung von „zehn bis elf Prozent“ aus. Zur Erinnerung: 2008 wurden gut 420 Millionen Tonnen im Maashafen umgeschlagen. Für 2010 kann sich der HbR-Chef auch wieder ein leichtes Umschlagplus vorstellen, wenn sich der Erholungsprozess der Weltwirtschaft weiter fortsetzt. Das wertschöpfungsintensive Stückgutaufkommen liegt im aktuellen Neunmonatszeitraum mit 89,4 Millionen Tonnen um rund 12,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau. An containerisiertem Stückgut wurden mit 73 Millionen Tonnen gut 11,6 Prozent weniger Güter umgeschlagen. Bei konventionellem Stückgut lag der Rückgang sogar bei 22,4 Prozent auf 4,4 Millionen Tonnen. Auf Grundlage der Standardcontainer (TEU) gingen in den ersten neun Monaten rund 7,15 Millionen TEU über die Kaikanten (8,2 Millionen TEU). Die Containeranzahl belief sich auf 4,3 Millionen Boxen nach 4,9 Millionen Behältnissen im Vorjahr. Die tiefgreifenden Umstrukturierungen der Reedereien auf wichtigen Routen wie zum Beispiel der Fernost -Europa-Achse hätten den Rotterdamer Hafen „weniger getroffen“ als andere Häfen, heißt es beim HbR. Sehr erfreulich entwickle sich zudem das Feeder-Geschäft. Diese Entwicklung ging zu Lasten des Hamburger Hafens, der erhebliche Teile seines Feeder-Umschlags an Rotterdam verlor. Weiter unter Druck steht der Massengutbereich, der im größten europäischen Hafen eine ganz entscheidende Rolle spielt. Mit rund 194 Millionen Tonnen wurden im aktuellen Berichtszeitraum 11,7 Prozent weniger Bulk-Güter umgeschlagen als 2008. Am deutlichsten fallen dabei die Umschlagverluste beim trockenen Massengut aus. Die Schwäche der europäischen Stahlindustrie findet ihre Entsprechung in den Umschlagzahlen für Erz und Schrott (minus 55,5 Prozent) sowie Kohlen (minus 16,5 Prozent). Dennoch hat der HbR aus der Stahlbranche inzwischen wieder positive Signale empfangen. So seien die noch zu Jahresbeginn vorhandenen hohen Vorräte inzwischen stark abgebaut worden. Die Stahlindustrie fahre ihre Kapazitäten schrittweise wieder hoch. Die Hochöfen haben nach Erkenntnissen des HbR mittlerweile eine Auslastung von gut 80 Prozent gegenüber der Zeit vor dem Ausbruch der Krise. Der Umschlag von sogenanntem „Agribulk“ steht weiter unter Druck: rund 6,5 Millionen Tonnen entsprechen einem Rückgang um gut 18,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresvergleichszeitraum. Erfreulicher sieht das Bild beim flüssigen Massengut aus. Mit gut 147,5 Millionen Tonnen liegt der Rückgang bei gut 0,5 Prozent. Bei Mineralölerzeugnissen gab es sogar einen Anstieg von gut 21 Prozent auf knapp 54 Millionen Tonnen. In Erwartung eines wiederkehrenden Aufschwungs und einer damit verbundenen Nachfragesteigerung würden derzeit die Vorräte bei zum Beispiel Treibstoffen weiter aufgestockt. Nutznießer dieser Entwicklung sind die Tanklager-Betreiber in Rotterdam. Indes will der HbR den Ausbau des Hafens auf hohem Niveau vorantreiben. Das gelte vor allem für die künftige, strategische Flächenreserve des Hafens, die aus dem Meer aufgespülte Maasvlakte II (MV II). Der VerkehrsRundschau sagte Smits heute, dass der Hafen hier „weiter marschiert“. Ungeachtet der noch anhaltenden Krise würden die „MV-II-Kapazitäten wie geplant auch gebaut“. Die Verträge mit den künftigen Nutzern in der Phase 1 seien unterzeichnet. Smits: „ Die Bauarbeiten an der neuen Hafenfläche kommen sehr gut voran. 2013 werden wir die ersten Containerschiffe auf der MV II abfertigen.“ (eha)
Hafen Rotterdam: Trendwende zum Positiven scheint eingeläutet
Gütermengenrückgang in den ersten neun Monaten liegt bei knapp zwölf Prozent / 2010 könnte es sogar ein leichtes Umschlagplus geben