Amsterdam. Die Amsterdamer Hafenwirtschaft atmet tief durch. Nach jahrelangem Drängen, unzähligen Gesprächen und vielen Untersuchungen erhielt der zweitgrößte Seehafen der Niederlande jetzt das „Grüne Licht“ für den Bau einer neuen Schleuse am Ein- beziehungsweise Ausgang zum Nordseekanal in Ijmuiden. Auf dem traditionellen „Hafengildedinner“ des Amsterdamer Hafenunternehmerverbandes ORAM informierte der niederländische Verkehrsninister Camiel Eurlings die rund 600 Gäste über die Entscheidung im niederländischen Kabinett. Ihr waren erfolgreiche Verhandlungen über die Finanzierung des Vorhabens vorangegangen. Neben dem niederländischen Staat werden die Provinz Nord-Holland sowie die Stadt Amsterdam das Geld aufbringen. Die Rede ist derzeit von gut 700 Millionen Euro. Eurlings geht davon aus, dass die neue Schleuse etwa zur Mitte des nächsten Jahrzehntes – die Rede ist von 2016 - ihrer Bestimmung übergeben werden könnte. Sie wird dann Europas größte Seeschleuse sein, und zwar mit den Abmessungen 500 m Länge und 65 m Breite. Zum Vergleich: Die neue Kaiserschleuse, an der derzeit in Bremerhaven gebaut wird und die im Laufe von 2010 fertig sein wird, wird eine Schleusenkammer von 372 m Länge und einer Breite von 45 m bekommen. Baukosten: weit über 230 Millionen Euro. Die neue Amsterdamer Schleuse wird es dem Seehafen erlauben, endlich auch für Großfrachter erreichbar zu sein. Zudem befreit sie den Hafen von der latenten Angst, dass er im Falle einer Havarie der heutigen Hauptschleuse („Nordschleuse'“) nicht mehr erreichbar ist. Die Nachricht von der Mittelbewilligung fällt in eine Zeit, da der Hafen zum Jahresende seinen letzten Überseecontainerdienst verlieren wird. Das Konsortium Grand Alliance verlagert ihn nach Rotterdam, um damit Kosten zu sparen. Damit wird der erst knapp sieben Jahre alte Containerterminal in Amsterdam auf absehbare Zeit beschäftigungslos sein. (eha)
Hafen Amsterdam: In sieben Jahren steht die neue Schleuse
Jahrhundertvorhaben für 700 Millionen Euro / Hafenwirtschaft erleichtert und begeistert