Genf. Nach neuen Steinschlägen bleibt die Gotthard-Autobahn in der Schweiz noch für mindestens drei Wochen gesperrt. So lange werden die Fachleute in etwa brauchen, um die zentrale Nord-Süd-Autobahn durch die Alpen gegen die Gefahr neuer Felsstürze zu sichern. Am vergangenen Samstag war ein großes Felsstück abgerutscht und in die Nähe der Autobahn gefallen. Dort war bereits am Mittwoch ein deutsches Ehepaar von herabstürzenden Felsen erschlagen worden. Spediteure sind von der Tunnel-Sperrung in besonderem Maße betroffen. Bis zu 3.500 Lastwagen würden pro Tag den Tunnel durchqueren, nun müssten Ausweichrouten gesucht werden, berichtete die Zeitung "Handelsblatt" (Dienstagsausgabe). Wenn nur ein Teil von ihnen weiträumig über die Brenner-Route ausweichen würde, entstünden den Schweizern Einnahmeausfälle aus der LKW-Maut in Millionen-Höhe, heißt es dort. Seit Jahren klagten die internationalen Spediteure auf der Nord-Süd-Route über lange Wartezeiten am Gotthardtunnel, den Lastwagen nur mit großen Abständen passieren dürften, so die Zeitung weiter. Andere Alpenpässe seien wegen schneebedeckter Fahrbahnen schwer befahrbar. Auch die Strecke über den San Bernardino sei bereits überlastet und mit engen Kurven für den Schwerverkehr nur unzureichend ausgebaut. Ferner würde die Sperrung die Diskussion um eine stärkere Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene anheizen. "Optimistisch betrachtet kann die Transitroute am Gotthard frühestens in drei Wochen mit Einschränkungen befahren werden", teilte die Kantonspolizei Uri nach Angaben der Schweizer Nachrichtenagentur SDA mit. Nach der Prüfung aller Varianten durch Fachleute des Kantons und von Geologen komme für die Behörden nur eine Sprengung der gefährlichen Felsmassen über der Route in Frage. Der Kombioperateur Hupac plant infolge der Sperrung eine massive Kapazitätserhöhung in Abstimmung mit SBB Cargo und den Partnern Cemat (Italien) und Kombiverkehr (Deutschland). Bis zu 40 Zusatzzüge pro Tag könnten nach Unternehmensangaben kurzfristig via Gotthard, Lötschberg/Simplon, Brenner und Modane eingesetzt werden. Dies würde die Kapazität des kombinierten Verkehrs um bis zu 1000 LKW-Sendungen täglich auf der Nord-Süd-Achse erhöhen. Das Programm wurde in enger Koordination mit SBB Cargo und den ausländischen Bahnen erarbeitet. (dpa/stb/sb)
Gotthard-Autobahn bleibt bis auf weiteres gesperrt
Zeitungsbericht: Unterbrechung der Nord-Süd-Route stellt Spediteure vor große Probleme