Gläubiger geben CargoLifter mehr Zeit für Rettung

27.09.2002 16:14 Uhr

Erfolgreiche Reorganisation muss bis Ende Oktober abzusehen sein

Cottbus. Der insolvente Luftschiffbauer CargoLifter erhält von seinen Gläubigern einen weiteren Monat Zeit zur Umsetzung des Sanierungskonzepts, mit dem das Unternehmen gerettet werden soll. Die Gläubigerversammlung stimmte am Freitag in Cottbus wie erwartet dem Konzept zu und verhinderte so das sofortige Aus des Unternehmens. Die Eckpunkte des Konzepts müssen jedoch bis Ende Oktober stehen. Das Land Brandenburg als größter Gläubiger hatte bereits zuvor klar gestellt, dass bis spätestens 31. Oktober absehbar sein müsse, ob die Reorganisation gelinge. Andernfalls wird CargoLifter liquidiert, hieß es vor der Gläubigerversammlung. "Wir haben noch einmal einen Aufschub von vier Wochen bekommen", sagte Insolvenzverwalter Rolf-Dieter Mönning nach dem Treffen im Amtsgericht Cottbus. Er bekräftigte, dass es der angestrebte Umbau des Unternehmens erfordere, aus der im Juni angemeldeten Insolvenz zu kommen. Da der Bund zuletzt öffentliche Hilfen abgelehnt hatte, setzt Mönning auf die Aktionäre, um mit ihrer Hilfe zunächst die Überschuldung und damit den Insolvenzgrund zu beseitigen. Sie sollen bis zu 45 Millionen Euro bereitstellen und vom 1. bis 15. Oktober bis zu 180.000 besicherte Teilschuldverschreibungen zum Stückpreis von 250 Euro zeichnen. Um aus der Insolvenz herauszukommen, müssten mindestens 20 Millionen Euro zusammenkommen, sagte Mönning. Er könne die Stimmung bei den Anlegern derzeit nicht einschätzen. In den ersten acht Tagen nach der Ausgabe werde sich jedoch das Schicksal von CargoLifter entscheiden. Nach Unternehmensangaben hat die 1996 gegründete CargoLifter AG 72.000 Aktionäre. Über mögliche private Investoren schwieg sich die Unternehmensführung aus. Im Zuge der Reorganisation soll die Cargolifter AG als Produktionsgesellschaft fortgeführt werden und gemeinsam mit der englischen Advanced Technologies Group (ATG) Luftschiffe bauen. Das Konzept sieht zudem die Gründung einer Transfergesellschaft zur Schulung der etwa 500 gekündigten und freigesetzten Mitarbeiter vor. Ferner soll eine gemeinnützige GmbH zur Bündelung und Ausgliederung der Forschung gebildet werden. "Wir brauchen Geld für die Produktion von marktfähigen Produkten", sagte Vorstandschef Wolfgang Schneider. Bisher habe es nur "Träumereien" gegeben. Mit der in dieser Woche vereinbarten Kooperation mit ATG soll bereits Anfang 2003 in der Werft in Brand die Endfertigung des Lastenträgers AT 10 erfolgen. Später sollen zwei weitere marktfähige Produkte hinzukommen, sagte Schneider. Größter Gläubiger ist das Land Brandenburg über seine Investitionsbank (ILB). Auf sie entfallen etwa 52 Millionen der 75,8 Millionen Euro Forderungen der knapp 200 Gläubiger. Gegen die ILB können keine Entscheidungen getroffen werden. Mit der ILB habe es vor der Gläubigerversammlung Absprachen gegeben, sagte Mönning. Die Annahme des Sanierungskonzeptes sei daher keine Überraschung. Sollte aber bis 31. Oktober ein Gelingen nicht absehbar sein, "werde ich die Reißleine ziehen", sagte er. Das Land habe signalisiert, dass es in jedem Fall ein Mitspracherecht behalten wolle. In den nächsten Tagen sollen Förderanträge bei Bund und Land gestellt werden. Zudem solle es Verhandlungen mit weltweit allen Luftschiffbauern geben, so Mönning. Eine entsprechende Klausel habe es bei der Vereinbarung mit ATG gegeben. (vr/dpa)

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