Berlin. Der Weg für die Berufung des neuen Bahnchefs Rüdiger Grube ist frei. Die Gewerkschaften Transnet und GDBA kündigten nach einem Treffen mit dem Daimler-Manager an, ihn bei der Wahl zum Vorstandschef im Aufsichtsrat mitzutragen. In wichtigen Fragen habe es eine Übereinkunft mit Grube gegeben, sagte der Transnet-Vorsitzende Alexander Kirchner. So solle die bundeseigene Bahn „nur als integrierter Konzern fortgeführt“ und die Datenaffäre „völlig aufgeklärt“ werden, notfalls mit weiteren personellen Konsequenzen. Der 57 Jahre alte Grube soll sein neues Amt als Nachfolger des scheidenden Hartmut Mehdorn am 1. Mai antreten. Für die Wahl im Aufsichtsrat gab es noch keinen Termin. Transnet und GDBA verständigten sich mit Grube und Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) auf ein gemeinsames „Memorandum zur Zukunft und Ausrichtung der Deutschen Bahn AG“. Darin enthalten ist auch ein Bekenntnis zum langfristigen Erhalt des konzerninternen Arbeitsmarkts „als Garant für Beschäftigung und sichere Arbeitsplätze“. Die Bahn müsse international tätig bleiben, sich aber auf den deutschen Markt konzentrieren – „mit einer kundenorientierten und nachhaltigen Investitions- und Angebotsleistung“, heißt es in dem Text. Zur Struktur der Bahn hält das Memorandum fest: „Eigentümer und Gewerkschaften bekennen sich zum integrierten Konzern als Geschäftsmodell auch der Zukunft.“ Kirchner sagte dazu: „Wir werden nicht nur die SPD, sondern auch die CDU/CSU nach der Bundestagswahl daran messen, wie weit sie bereit sind, diese Vereinbarung einzuhalten.“ Teile der Union und die FDP wollen das Schienennetz vom Fahrbetrieb der Bahn trennen, um so mehr Wettbewerb zu erzeugen. Grube hat das Memorandum noch nicht unterzeichnet. Der Manager sei aber bereit, dies nach seiner Bestellung zum Bahnchef zu tun, sagte Kirchner. Grube selbst äußerte sich nach dem Treffen nicht näher. Er sagte nur: „Die Gespräche sind sehr gut gelaufen.“ Noch am Wochenende hatte der GDBA-Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel einen Vertrag zwischen Bund und Gewerkschaften verlangt, in dem die Aufspaltung des Konzerns ausgeschlossen werden müsste. Darin müsse außerdem ein „besserer Kundenservice“ sowie eine „ausreichende Finanzausstattung des Unternehmens durch den Bund“ zugesichert werden. Einen solchen Vertrag wird es nun nicht geben. Zu dem vom Vorgänger Mehdorn angestrebten Börsengang habe Grube gesagt, dass dieser auch wegen der Wirtschaftskrise derzeit „nicht ansteht und von ihm auch in der Form nicht weiterverfolgt wird“, berichtete Kirchner. Das sei nach Grubes Worten bestenfalls eine Option für die Zukunft, „aber nicht Richtschnur für sein Handeln jetzt als Vorstandsvorsitzer in der Krise“. Der Börsengang war im Herbst wegen der Finanzmarktkrise auf unbestimmte Zeit verschoben worden. (dpa)
Gewerkschaften machen Weg für Bahnchef Grube frei
Transnet und GDBA wollen den Daimler-Manager bei der Wahl zum Vorstandschef mittragen