Alain Poinssot, Vorstandsvorsitzender von Frankreichs größter Transport- und Logistikgruppe Geodis S.A., ist vom Verwaltungsrat des bahn- und post-kontrollierten Konzerns zum Rücktritt gedrängt worden und hat sein Amt niedergelegt. Ein Nachfolger soll Anfang Januar benannt werden, im Gespräch ist in Paris der bisherige Moulinex-Chef Pierre Blayau. Als Grund für den Wechsel an der Spitze wurden "strategische Differenzen mit den Aktionären" genannt. Nähere Einzelheiten dazu wollte Geodis-Sprecherin Marianne Maurice auf Anfrage der Verkehrs-Rundschau nicht mitteilen. In Fachkreisen war jedoch seit längerem bekannt, dass die Geschäftspolitik des seit Sommer 1997 mit der Leitung des Unternehmens beauftragten Poinssot nicht mit den Erwartungen des Hauptaktionärs SNCF übereinstimmten. Weil er die Erträge aus der Beteiligung an Geodis als zu gering erachtete, hatte Bahn-Chef Louis Gallois schon den Vorgänger Poinssots "gekippt". Dasselbe Motiv scheint auch jetzt wieder mitbestimmend gewesen zu sein, nachdem die Gruppe das erste Halbjahr 2000 mit einem Rückgang beim Betriebsergebnis von 53,9 Prozent abgeschlossen hat und die Gewinnaussichten für das Gesamtjahr offenbar nicht sehr rosig sind. Nicht nur von SNCF-Seite werden Poinssot aber auch strategische und operationelle Fehler vorgehalten: der Rückzug aus dem afrikanischen Hafensektor, die in ihrer Höhe unterschätzte Belastung der Geodis-Konten durch die Übernahme und Sanierung der britischen Firma United Carriers, sowie die gescheiterten Bemühungen um ein Zusammengehen mit einem großen europäischen Partner wie ABX oder Schenker. Bekannt ist ferner, dass der bis zum Jahresende vorgesehene Eintritt von La Poste ins Gruppenkapital ebenso gegen den Willen des bisherigen Geodis-Chefs geschieht wie die Integration der maroden Bahn-Stückguttochter Sernam. (jb)
Geodis-Chef Poinssot musste den Hut nehmen
Staatsbahn SNCF unzufrieden mit der Geschäftspolitik des Spitzenmanagers