Paris. Die staatliche französische Güterbahn Fret SNCF hat nur wenige Tage vor der Eröffnung einer von der Regierung anberaumten Konferenz über die weitere Zukunft des heimischen Schienentransports eine herbe Schlappe erlitten. Der Autokonzern PSA Peugeot-Citroën gab bekannt, er werde seinen bisherigen Vertrag mit der Staatsbahn nicht mehr verlängern und zukünftig mit privaten Anbietern zusammenarbeiten. Damit gehen Fret SNCF pro Jahr 40.000 Waggons verloren und damit einer seiner größten Kunden. Nutznießer der Entscheidung sind dem Vernehmen nach die Deutsche-Bahn-Tochter Euro Cargo Rail (ECR), die zum Pariser Konglomerat Bouygues gehörende Colas Rail und die Eurotunnel-Tochter Europorte.
Weitere Unterstützung wurde den Privaten kürzlich durch Jacques Gounon zuteil. Der Chef des Tunnelbetreibers Eurotunnel brach in einem Interview mit der Tageszeitung „Le Figaro" eine Lanze für „noch mehr Wettbewerb" im Bahnfrachtsektor und forderte eine generelle Debatte zum Thema Gütertransport. Auch bei der anberaumten Konferenz „Assises du ferroviaire" gehe es wie üblich fast ausschließlich um den Personen-Schienenverkehr und wenig oder gar nicht um die Bahnfracht.
Gounon beklagte, dass deren Ausbau in Frankreich durch mehrere Hindernisse blockiert werde. Als Beispiel nannte er das nach wie vor bestehende Fahrverbot für Hochgeschwindigkeits-Güterloks, die seit über 20 Jahren im Verkehr unter dem Ärmelkanal eingesetzt und auch in England zirkulieren dürften, noch immer aber nicht in Frankreich. Ferner sei es ein Leichtes, den Vorschlag des Parlamentsabgeordneten Yves Paternotte zur Umrüstung einiger TGV-Hochgeschwindigkeitszüge auf Frachtverkehr umzusetzen und diese nachts fahren zu lassen. Das scheitere aber bisher einfach daran, dass der TGV-Verkehr nachts eingestellt werde, und dies nicht etwa aus Umweltgründen, sondern aus bürokratischen. (jb)