St. Petersburg/Frankfurt. Im Bieterwettstreit um den Milliardenauftrag zum Ausbau des Petersburger Flughafens hat die Frankfurter Fraport AG die russischen Platzhirsche ausgestochen. Nach einer internationalen Ausschreibung wählte die Stadt St. Petersburg das deutsch-griechisch-russische Konsortium „LLC Northern Capital Gateway“ als bevorzugten Bieter aus, wie die Fraport am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Das Konsortium mit dem griechischen Mischkonzern Copelouzos und der russischen VTB-Bank hat damit Bietergemeinschaften hinter sich gelassen, an denen unter anderem Unternehmen des Konzerns Gazprom und des Oligarchen Oleg Deripaska, der Baukonzern Hochtief und der Wiener Flughafen beteiligt waren. Der Wert des Auftrags zum Ausbau des viertgrößten Flughafens in Russland soll bei 1,4 Milliarden Euro liegen. Geplant ist, dass die Fraport den Airport mit dem Namen Pulkowo 30 Jahre lang betreiben darf. In der ersten Phase der Konzession stehen der Neubau eines Passagierterminals, die Erweiterung der Vorfeldflächen und die Modernisierung der bestehenden Infrastruktur an. Fraport hält an LLC nach eigenen Angaben 35,5 Prozent. Fraport-Chef Wilhelm Bender zeigte sich in St. Petersburg zuversichtlich, nach den finalen Verhandlungen auch den endgültigen Zuschlag zu erhalten. „Damit wird erstmals ein ausländisches Unternehmen den Betrieb eines russischen Flughafens übernehmen“, sagte der Chef des Moskauer Flughafens Scheremetjewo, Michail Wassilenko, der Wirtschaftszeitung „Wedomosti“. „Die deutschen Betreiber sind bekannt für ihre Effektivität“, sagte Wassilenko. Der Moskauer Luftverkehrsexperte Oleg Pantelejew nannte den Umfang der Investitionen sowie die Dauer der Zusammenarbeit „bisher einmalig“ in der russischen Luftverkehrsbranche. Fraport will sich nach den Worten eines Sprechers vorerst allerdings nicht direkt an der Betreibergesellschaft beteiligen. Der Flughafenbetrieb werde im Auftrag der Eigentümer gemanagt. Das Unternehmen betreibt weltweit Flughäfen, an denen es in einigen Fällen auch Beteiligungen hält. Der Auswahl des privilegierten Bieters schließen sich nun Verhandlungen über den Konzessionsvertrag und die Finanzierung des Projektes an. Die Petersburger Betreibergesellschaft strebt den 2. November 2009 als Termin für den endgültigen Vertragsabschluss an. Mit rund 7 Millionen Passagieren war Pulkowo mit seinen zwei Landebahnen im vergangenen Jahr Nummer vier in Russland nach den drei Moskauer Flughäfen. Wegen der touristischen Attraktivität und ökonomischen Bedeutung der 5-Millionen-Einwohner-Stadt St. Petersburg gehen die Beteiligten von einem starken Passagierwachstum in den kommenden Jahren aus. In den ersten fünf Monaten 2009 sind die Passagierzahlen aber zurückgegangen. (dpa)
Fraport kommt bei russischem Flughafen zum Zug
Bietergemeinschaft sticht Gazprom, Hochtief und Wiener Flughafen aus / Auftragswert von 1,4 Milliarden Euro