Paris. Nach dem britischen Verbot, den Hafen von Dover mit den Schiffen der Kanalfähre My Ferry Link anzulaufen, hat die Eurotunnel-Gruppe den Vekauf des gleichnamigen Tochterunternehmens beschlossen. Nun wird ein Interessent gesucht. Eurotunnel hatte die von My Ferry Link betriebenen 3 Fähren Rodin, Berlioz und Nord-Pas-de-Calais im Juni 2012 von der vormaligen Besitzerin Sea France (SNCF) erworben und an die selbständige Genossenschaftsreederei SCOP Sea France geliehen. Diese nahm den Fährbetrieb im August 2012 auf.
Britische Behörde spricht von Wettbewerbsverzerrung
Im September letzten Jahres hatte die britische Wettbewerbsbehörde Competition and Markets Authority (CMA) ihren Beschluss bekräftigt, der Fähre zwischen Calais und Dover den Zugang zum Hafen von Dover zu verbieten. Unter Hinweis auf die Anbindung der Fähre an Eurotunnel hieß es zur Begründung, sie verzerre den Wettbewerb im Bereich des Kanalverkehrs durch Ausnutzung einer marktbeherrschenden Position.
Dagegen hatte Eurotunnel vor dem Londoner Competition Appeal Tribunal (CAT) Klage geführt. Wie die Gruppe mitteilt, hat das CAT nunmehr zwar die Argumente der Kläger anerkannt, aber gleichwohl befunden, sie reichten dennoch nicht aus, die Position der Wettbewerbsbehörde neuerlich für nichtig zu deklarieren.
Für den Tunnelbetreiber und Bahnfrachtakteur ist diese Entscheidung „unlogisch“; sie reduziere den Wettbewerb im Kanal, beeinträchtige die Unternehmensfreiheit und zwinge die Gruppe, sich aus diesem Aktivitätsbereich zurückzuziehen, um den Weiterbetrieb der Fähre unter anderer Flagge zu ermöglichen.
Paris hat Widerstand angekündigt
Der Pariser Verkehrsstaatssekretär Alain Vidalies erklärte in einer Stellungnahme, man habe die britische Entscheidung zur Kenntnis genommen. Für das CAT sei die Wettbewerbsaufsicht CMA in der Tat mit Blick auf das britische Recht die kompetente Institution, das von ihr ergangene Verbot zu verhängen. Die französische Regierung werde alles daran setzen, eine Lösung zu finden, die den Weiterbetrieb der Fähre ermögliche. Vidalies erinnerte daran, dass die Pariser Wettbewerbshüter im Sommer 2012 grünes Licht für My Ferry Link gegeben hatten. Die Londoner Entscheidung sei „zutiefst ungerecht“ und insbesondere für die Beschäftigten der Reederei unverständlich. Der Kampf um die Fähre werde auf juristischer und wirtschaftlicher Ebene weitergeführt werden, kündigte der Staatssekretär an. (jb)