Europäische Güterschiene künftig aus einer Hand

30.09.2002 15:25 Uhr

RailNetEurope soll grenzüberschreitenden Güterverkehr vereinfach

Berlin. Europäische Schienennetzbetreiber aus 16 Ländern wollen ihre Infrastruk-tur künftig gemeinsam vermarkten. Sie unterzeichneten dazu auf der Fachmesse "InnoTrans 2002" in Berlin einen Kooperationsvertrag zu "RailNetEurope" (RNE). Neben Betreibern fast aller EU-Länder sind auch Norwegen, Ungarn und die Schweiz mit von der Partie. Mit der neuen Form der Zusammenarbeit, die sich auf eine bestehende EU-Richtlinie stützt und vorerst auf den Güterverkehr beschränkt, soll nach Angaben der Deutschen Bahn der grenzüberschreitende Schienenverkehr einfacher und schneller werden. Die Betreiber wollen gegenüber dem Kunden künftig als "ein" Anbieter auftreten und über je einen One-Stop-Shop pro Land die gesamte Schieneninfrastruktur vermarkten. Mit dem Abbau betrieblicher und administrativer Barrieren soll der internationale Schienenverkehr wettbewerbsfähiger werden. Als Modell für RailNetEurope nennen die Unterzeichner die "North-South-Freeways" (NSFF) und "Belifret" für den Güterverkehr. Wie dort, so die Mitteilung der Bahnen, können für kurzfristige Verkehre "vorkonstruierte freie Trassen" zur Verfügung gestellt werden mit einer Zeitersparnis von "mehreren Tagen, in Einzelfällen sogar einigen Wochen" für den Kunden. Der "RailNetEurope-Vertrag" wurde auch in eine in München unterzeichnete Resolution von Bahnchefs aus 19 Ländern an die EU über "Produktivitätssteigerung und Qualitätsverbesserung im grenzüberschreitenden Güterverkehr" aufgenommen. In einer zweiten Resolution stellen die Unterzeichner die Möglichkeit der Finanzierung einer leistungsfähigen Infrastruktur allein aus nationalen oder gemeinschaftlichen öffentlichen Mitteln in Frage. Sie fordern die europäische Verkehrspolitik auf, "schnellstmöglich auch Voraussetzungen für alternative Formen der Finanzierung zu schaffen". Zu prüfen sei, ob die europäischen Rahmenbedingungen im Eisenbahnsektor "die richtigen Anreize für Zuflüsse privaten Kapitals" setzten. (vr/jk)

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