Erfurter Flughafen: Ungenutzte Chancen im Frachtverkehr

16.11.2007 13:47 Uhr

Die Landesregierung hat noch kein neues Konzept für die Zukunft des maroden Flughafens vorgelegt. Potenzielle Chancen im Frachtverkehr werden bislang nicht genutzt

Erfurt. Die Thüringer Landesregierung hat es erneut versäumt, ein Konzept für den Erfurter Flughafen vorzulegen. Die Flughafengesellschaft arbeite noch daran, sagte Verkehrsminister Andreas Trautvetter (CDU) heute im Erfurter Landtag. Das Konzept sollte auf Antrag der Opposition bereits im Frühjahr vorgelegt werden und war dann auf den 31. Oktober verschoben worden. Auch dieser Termin sei nun verstrichen, kritisierte der Abgeordnete der Linken, Benno Lemke. Die Flughafengesellschaft, die zu 95 Prozent dem Land gehört, befinde sich im Sinkflug, und die Regierung sehe tatenlos zu. Nach Angaben von Trautvetter habe die Flughafengesellschaft ein Szenario für die Zukunft entwickelt, „das der geforderten Nachhaltigkeit nicht gerecht geworden ist“. Deshalb müsse nachgearbeitet werden. Ergebnis müsse sein, dass am Ende im operativen Ergebnis eine schwarze Null stehe. Die Gesellschaft hatte im September bekannt gegeben, dass sie im vergangenen Jahr einen Umsatz von sieben Millionen Euro erzielt habe bei Betriebsaufwendungen von 17 Millionen Euro. Die Finanzlücke sei durch Auflösung von Rückstellungen von fast 9,7 Millionen Euro ausgeglichen worden. Die Zukunft des Erfurter Flughafens sieht der Minister im Frachtverkehr. Bei fünf genehmigten Nachtflügen bestehe eine Kapazität von 25.000 Tonnen pro Jahr. Bislang landeten jedoch nur zwei Flieger mit einem Umschlag von jährlich 4500 Tonnen. Um das Geschäftsfeld zu stärken, solle die Landesentwicklungsgesellschaft im Flughafenumfeld ein Gelände für ein Luftfrachtzentrum erschließen. Eine Ausweitung müsse es auch bei Charterfliegern geben. Zudem verteidigte der Minister die Subventionierung von Linienflügen, die das Angebot des Flughafens abrundeten. Die Anwerbung von Billigfluglinien lehnte Trautvetter ab. Dieses Geschäftsfeld decke der Flughafen Altenburg-Nobitz ab. Allerdings halte er solche Flüge zum Teil für fragwürdig. „Einkaufen in London ist schädlich für den Konsum im Lande, weil es Umsätze verlagert.“ Gleichzeitig kündigte er aber an, den Billigfluglinien in Altenburg- Nobitz weiterhin mit Steuergeldern gute Bedingungen zu schaffen. Lemke forderte ein Ende der Subventionierung von Linienflügen. Damit werde ein teures Angebot aufrechterhalten, für das es keinen Bedarf gebe. Dieses Geld könnte im öffentlichen Nahverkehr sinnvoller eingesetzt werden. Lemke warf der Geschäftsführung des Erfurter Flughafens Untätigkeit vor. Statt bei den Chartergesellschaften Klinken zu putzen, versuche sie, Altenburg-Nobitz Billigflieger abzuwerben. Die Kritik aus der CDU-Fraktion, die Linke rede den Flughafen schlecht, wies der Abgeordnete zurück. „Wir haben den Schmutzkübel umgekippt - mit dem Schmutz, den die Regierung im vergangenen Jahrzehnt angehäuft hat und mit dem sich inzwischen die Staatsanwaltschaft beschäftigt.“ Die Linke stehe zum Flughafen, allerdings ohne Subventionen und in einer Kooperation mit Altenburg- Nobitz. (dpa)

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