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Ein Jahr Nordic: "Enttäuschung ungeheuer groß"

Vor einem Jahr stimmte der Gläubigerausschuss der insolventen Wadan-Werften dem Verkauf an den russischen Investor Witali Jussufow zu. Von der Zuversicht ist heute nur wenig geblieben.
© Foto: ddp

Vor einem Jahr stimmte der Gläubigerausschuss der insolventen Wadan-Werften dem Verkauf an den russischen Investor Witali Jussufow zu. Ein Bericht.


Datum:
17.08.2010
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Rostock/Wismar. Die Chefin der IG Metall Küste, Jutta Blankau, bringt die Stimmung auf den Punkt: „Die Enttäuschung ist ungeheuer groß." Die Träume für eine positive Zukunft der beiden Werft-Standorte in Wismar und Rostock-Warnemünde haben sich – bislang - nicht erfüllt. Investor Witali Jussufow konnte gerade einen Auftrag für einen Schiffsneubau an Land ziehen. Zu wenig Arbeit, um alle 1200 Schiffbauer beschäftigen zu können, deren Übernahme in seine Nordic- Werften Jussufow im August 2009 zugesichert hatte.

Derzeit wird in Wismar an einem 100-Millionen-Euro-Spezialtanker für den russischen Bergbau-Konzern Norilsk Nickel gebaut. Zusätzlich soll noch bis Herbst die zweite RoPax-Fähre für die schwedische Stena-Reederei fertiggestellt werden. Insgesamt sind rund 700 der ehemals 2400 Mitarbeiter beschäftigt. Für eine sichere Existenz der Werften sind mehr Aufträge notwendig. Im Herbst, so hat Jussufow angekündigt, soll in Warnemünde mit den Planungen für eine Umrichterstation für einen Offshore-Windpark begonnen werden.

Jussufow: Mehrer konkrete Projekte in der "Auftragspipeline"

Die Perspektiven der beiden Standorte seien völlig offen, sagt Blankau. Es gebe ein enormes Know-how bei den Fachkräften. Die Gefahr sei aber groß, dass dieses nun verloren gehe. „Ich erwarte von Jussufow, dass er sich deutlich stärker anstrengt, dass jetzt Nachfolgeaufträge kommen", fordert Blankau. Jussufow ist nach eigenen Angaben in ständigen Verhandlungen, hauptsächlich mit russischen Reedern. Doch während die Frachtraten mit der Genesung der Weltwirtschaft spürbar steigen, wieder mehr Transportschiffe benötigt werden, zeichnet sich für den Schiffbau in den beiden Hansestädten keine spürbare Verbesserung ab. Andere deutsche Werften aber melden unterdessen Vertragsabschlüsse für neue Schiffe.

Jussufow selbst sieht sein Unternehmen weiter auf gutem Weg und blickt optimistisch auf die weitere Entwicklung. Ein Grund für diesen Optimismus seien die Aufträge für das Spezialschiff und die Offshore- Plattform sowie die erfolgreiche Arbeit an den Stena-Fähren. "Die vergangenen Monate sind für unsere Mitarbeiter nicht immer leicht gewesen", sagt er. Es werde "nach wie vor mit Hochdruck an weiteren Aufträgen" gearbeitet. Er hoffe, in absehbarer Zeit weiteren 500 Mitarbeitern ein Arbeitsangebot unterbreiten zu können. "Wir haben gegenwärtig mehrere konkrete Projekte in der Auftragspipeline."

Ministerpräsident Sellering: Nordic Werften in "sehr schwierigem Fahrwasser"

Auch Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD), der schon im August 2009 auf die Erwartungsbremse getreten war, sieht die Nordic Werften „immer noch in sehr schwierigem Fahrwasser". Das Problem sei die Finanzierung von Aufträgen, wie die monatelangen zähen Verhandlungen mit den Banken bei dem Norilsk-Nickel-Tanker deutlich gezeigt hätten. Jussufow musste persönlich für 40 Millionen Euro bürgen, um den Bau zu ermöglichen. „Da muss der Bund sich mehr engagieren und schneller handeln. Sonst gehen die wenigen Aufträge in Länder, die ihre Werften stärker unterstützen", fordert Sellering.

Der IG-Metall-Bezirksbevollmächtigte Rüdiger Klein sieht auch einen Teil der Schuld in Berlin: „Wir sind von der Bundesregierung alleine gelassen worden." Deren Versprechungen hätten nur bis zur Bundestagswahl im September 2009 gehalten. Klein kritisiert, dass Briefe von den Betriebsräten nach Berlin unbeantwortet geblieben seien. Gleichzeitig nimmt er die Landesregierung vor Kritik in Schutz, denn sie sei bei vielen Dingen über ihren Schatten gesprungen. So betont Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) erneut, dass das Land auch für weitere Finanzierungen bei neuen Aufträgen zur Verfügung stehe.

"Situation für die Kollegen ist ganz bitter"

„Die Situation für die Kollegen ist ganz bitter", sagt Klein. Viele hätten völlig unsichere Aussichten und befürchteten, ihren sozialen Status nicht halten zu können. Jobs, die ihnen angeboten werden, würden teils „sittenwidrig niedrig" bezahlt. Ältere Kollegen stünden kurz vor Ende eines langen Berufslebens vor einem „persönlichen, familiären und wirtschaftlichen Desaster". Die Gewerkschaft könne leider nur beraten oder helfen, deren Motivation und Selbstwertgefühl zu erhalten. (dpa) 

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