Darmstadt. Der Deutschen Bahn fehlt nach Ansicht des Darmstädter Verkehrsexperten Hans Joachim Hollborn ein schlüssiges Ausbau-Konzept. "Weder der künftige Streckenplan noch die kommende Fahrzeuggeneration sind erkennbar", sagte der Professor für Bahntechnik in einem dpa-Gespräch. Demnach dauere die Entwicklung eines neuen Fernzuges mehrere Jahre. "Die Konstrukteure müssten deshalb bereits heute an der Arbeit sitzen. Doch davon ist nichts zu sehen." Die neue ICE-Generation sei zwar technisch auf hohem Stand, doch bei weitem nicht ausgereizt. So könnten Beschleunigung und Bremswege deutlich verbessert werden. Unklar sei auch der Streckenausbau. Im ICE-Fernverkehr klafften riesige Lücken, sagte der Professor: "Die für 2007 geplante Verbindung von Frankfurt nach Stuttgart wird wohl frühestens 2010 fertig werden. Wann die Lücke zwischen Erfurt nach München geschlossen wird, ist gar nicht abzusehen." Die Schuld an dieser Misere trage vor allem die Bundesregierung, die die Zuschüsse an die Bahn in den vergangenen Jahren gesenkt habe. "Es ist zu befürchten, dass der Zustand der Bahn in zehn Jahren schlechter ist als jetzt", so der Fachmann weiter. Durch den schleppenden Ausbau des Streckennetzes werde die Bahn ihre Verspätungen nicht in den Griff bekommen. "Wenn sich der Güterverkehr mit dem Nah- und Fernverkehr das selbe Gleis teilen muss, kommt es immer zu Überschneidungen und die Durchschnittsgeschwindigkeit sinkt rapide ab", erklärte der Professor. Die Bahn könne mit dem Transport von Personen und Gütern in Zukunft nur Geld verdienen, wenn sie den Verkehr entflechte. (dpa)
Deutscher Bahn schlechtes Zeugnis ausgestellt
Verkehrsexperte Hollborn: "Ohne schlüssiges Ausbaukonzept" / Konzern soll Verkehr entflechten