Deutsche Transporteure wollen auf die Barrikaden gehen

07.07.2008 13:00 Uhr
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© Foto: ddp

Drohende Pleitewelle durch Dieselpreis und höhere LKW-Maut: Branche kündigt massive Protestaktionen an

Hannover. Angesichts einer drohenden Pleitewelle bei deutschen Transportunternehmen wegen der drastisch gestiegenen Dieselpreise und der höheren LKW-Maut hat die Branche massive Protestaktionen angekündigt. „Die Unternehmen und die Beschäftigten sind bereit, auf die Barrikaden zu gehen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN), Bernward Franzky, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Hannover. Zwar rufe der Verband nicht zu einem Streik auf - geplant seien aber Demonstrationen und andere Aktionen, die zu Versorgungsengpässen etwa in Supermärkten führen könnten. In der Gütertransportbranche seien alleine in Niedersachsen bis zu 5000 Arbeitsplätze gefährdet. „Für das Transportgewebe ist die Dieselpreisbelastung katastrophal“, sagte Franzky. Innerhalb eines Jahres habe es eine Mehrbelastung von 12.000 Euro pro Lastwagen gegeben. Dies könnten die Unternehmen nicht ausgleichen. „Die überaus meisten Unternehmen schreiben rote Zahlen.“ Dazu komme die geplante Erhöhung der LKW-Maut, die im Schnitt von 13,5 auf 16,3 Cent pro Kilometer angehoben werden solle. „Das macht pro Lastwagen pro Jahr noch einmal eine Mehrbelastung von 9500 Euro.“ Die Erhöhung der LKW-Maut müsse gestoppt werden. Allein in Niedersachsen drohten wegen der Mehrbelastungen 300 Speditionen in die Insolvenz zu gehen, bundesweit seien es rund 3000. Dies wären vier Mal mehr als im vergangenen Jahr. Die Speditionen hätten große Schwierigkeiten, die höheren Kosten an die Kunden weiterzugeben, sagte Franzky. Zwar gebe es Kunden, die die Transportsicherheit dadurch gewährleisteten, dass sie mit ihrem Spediteur Verträge abschließen, die über Klauseln auskömmliche Preise beinhalteten. „Aber es gibt in ganz hohem Maße Auftraggeber, die glauben, sie können weiter eigene Gewinne auf Kosten der Speditionen machen.“ Beim Dieselpreis müsse sichergestellt werden, dass Erhöhungen an die Kunden weitergegeben werden. „Das wird dann am Ende beim Verbraucher landen, so dass die Produkte teurer werden.“ In der Branche wachse die Kampfbereitschaft. „Die Unternehmer sagen deutlich, sie werden das nicht tatenlos hinnehmen“, sagte Franzky. „Wir werden als Verband zu keinen Maßnahmen aufrufen, die uns oder die Unternehmen zu illegalem Handeln bewegen würden, etwa ein Stillstehen von Lastwagen auf Autobahnen. Aber wir werden andere Mittel finden.“ Dies könne mit Demonstrationen anfangen. Die Maßnahmen würden derzeit beraten. In Spanien hatte ein Lastwagenfahrer-Streik gegen die hohen Treibstoffpreise für massive Behinderungen gesorgt. Brief an Verkehrsminister Tiefensee Auch der Bundesverband der Transportunternehmen (BVT) hat angesichts der gestiegenen Kosten vor einem hohen Arbeitsplatzverlust in der Branche gewarnt. Nach Einschätzung des Verbandes könnte es sich dabei um bis zu 20.000 Arbeitsplätze handeln. Betroffen seien vor allem kleine und mittelständische Unternehmen, teilte der BVT am Sonntag mit. In einem Brief an Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee forderte der Verband Gegenmaßnahmen wie beispielsweise eine niedrigere Dieselsteuer. Die Politik sei sich der Folgen der hohen Spritpreise und der hohen Abgabenlast für die Transportunternehmen nicht bewusst, kritisierte der BVT in dem Schreiben. Der Verband vertritt vor allem kleinere und mittlere Transportunternehmen. Konkrete Aktionen noch offen Ob bereits in den nächsten Tagen größere Protestaktionen in Deutschland starten, stand indes am Montag noch nicht fest. "Es geht hoch her", sagte Gunther Zimmermann, Leiter des Bereichs Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim GVN. Zur Zeit würden mögliche Maßnahmen zwar sachlich, aber sehr emotional diskutiert. Über weitere Schritte will der Verband zeitnah informieren. (dpa/stb)

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