München. Die Einladung zum Assessment Center flattert ins Haus. Eigentlich sollte man sich darüber freuen. Aber eben nur eigentlich. Klar, man hat sich gegen viele andere Bewerber durchgesetzt. Die Bewerbung ist offensichtlich im Unternehmen gut angekommen. Und trotzdem überwiegt dieses mulmige Gefühl. Eine Frage nach der nächsten schießt einem durch den Kopf: Was kommt da auf mich zu? Und was tun, wenn ich bei einer Aufgabe völlig versage? Und überhaupt, was soll das Ganze denn bringen?
Allein oder gemeinsam
„Ein Assessment Center soll die Persönlichkeitsfacetten eines Bewerbers deutlich machen, die bei noch so guten Interviews nicht festgestellt werden können“, erklärt Andreas von Studnitz, Personalmanagementberater aus Rendsburg. Die Firmen wollen also mittels geeigneter Aufgaben herausfinden, wie Personen insbesondere in berufstypischen Situationen handeln – und damit, wie sie in die Unternehmenskultur passen. Deshalb muss ein AC-Teilnehmer damit rechnen, dass er Aufträge bekommt, die an dem zu besetzenden Arbeitsplatz „normal“ sind: eine Präsentation vorbereiten und halten, in der Gruppe Aufgaben bearbeiten, Probleme einzeln oder gemeinsam lösen. „So ganz nebenbei wird durch die Aufgabendichte und knappe Zeit Stress erzeugt, so dass auch festgestellt wird, wie lange ein Bewerber unbeeindruckt bleibt.“
Wer also im Assessment Center bestehen will, braucht auch gute Nerven. Und sollte die folgenden klassischen Fehler unbedingt vermeiden: „Niemand sollte ohne ausreichende Kondition an einem AC teilnehmen. Wer mit ,Trostpunkten‘ rechnet, weil er krank oder unausgeschlafen ist, irrt sich“, betont von Studnitz. Zudem dürfe man sich nicht über eine schlechte Bewertung wundern, wenn man an Gruppendiskussionen erst im letzten Zeitdrittel teilnimmt. Umgekehrt bedeute „sich durchsetzen“ nicht, alle anderen Teilnehmer gegen die Wand zu reden, ihnen das Wort abzuschneiden oder gar aggressive Untertöne mitschwingen zu lassen. Ein weiterer Tipp des Management-Experten: „Wer versucht, perfekte Lösungen zu gestalten, verliert sich in – mitunter nebensächlichen – Details und bekommt nicht die volle Punktzahl, weil wichtige Teile der Aufgabe aus Zeitnot nicht mehr bearbeitet werden können.“
Nicht abschalten
Was viele Bewerber außerdem vergessen: Während eines Assessment Centers gibt es keine Pausen. „Die Kandidaten stehen immer unter Beobachtung. Manchmal werden sogar Mitarbeiter als Beobachter eingeschleust, die sich als Teilnehmer ausgeben“, sagt Walter Feichtner, Karrierecoach aus München. Über andere Kandidaten, Übungen, das Unternehmen oder gar Assessoren zu lästern, kann also schnell nach hinten losgehen. Übrigens: „Auch beim gemeinsamen Mittagessen wird genau auf Manieren und Etikette geachtet“, so der Berater. Glänzen können junge Leute hingegen, wenn sie viel über das Unternehmen und seine Innovationen, die wirtschaftliche Situation und die Branche wissen. „Deshalb sollte man sich intensiv auf ein Assessment Center vorbereiten“, rät Feichtner. Wer außerdem die unterschiedlichen Testverfahren kennt, wird nicht komplett ins kalte Wasser geworfen. Das gibt Sicherheit. „Von Vorteil ist es außerdem, in den Wochen vor dem AC sehr intensiv die Tages- und Fachpresse zu verfolgen, um bei aktuellen Themen auf dem neuesten Stand zu sein.“ Schließlich beziehen sich viele Aufgaben auf die neuesten politischen oder wirtschaftlichen Entwicklungen. (ts)