Berlin. Nach der vorläufigen Absage eines Börsengangs der Deutschen Bahn ist Konzernchef Hartmut Mehdorn massiv unter Druck geraten. "Meine Auffassung ist, dass er dem Unternehmen am meisten dient, wenn er persönlich seine Konsequenzen zieht", sagte der CDU/CSU-Verkehrsexperte Dirk Fischer nach einer Sondersitzung des Bundestagsverkehrsausschusses. Der FDP-Verkehrsexperte Horst Friedrich betonte: "Das, was jetzt passiert ist, ist das Scheitern der Politik von Hartmut Mehdorn. Da muss er die Konsequenzen ziehen". Auch der Grünen-Verkehrspolitiker meinte: "Das Vertrauen zwischen dem Parlament und dem Vorstand ist nachhaltig gestört". Dagegen stellte sich Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) hinter den Bahnchef. Die Entscheidung, den Börsengang zu verschieben, sei mit Mehdorn, nicht gegen ihn getroffen worden. Bahn-Aufsichtsratschef Michael Frenzel hatte am Mittwoch den von Mehdorn angepeilten Börsengang 2006 als nicht mehr realistisch bezeichnet, zugleich aber dem Bahnchef Unterstützung für die Zukunft zugesagt. Aus Regierungskreisen wurde bekannt, dass Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in einem dreistündigen Gespräch mit Frenzel die "Reißleine" gezogen habe. Nach der wachsenden Kritik an der Bahn aufgrund der beschlossenen Fahrpreiserhöhungen habe der Kanzler eine Beschädigung der Bundesregierung befürchtet, hieß es. Auch eine Ablösung Mehdorns sei erwogen worden. Für den Bundestag ist die Angelegenheit noch nicht abgeschlossen. Am Mittwoch kommender Woche sollen Mehdorn und Stolpe vor dem Verkehrsausschuss Rede und Antwort stehen. Verkehrsexperten von Koalition und Opposition zweifeln an der Ehrlichkeit des Bahn-Managments. Das Verkehrsministerium habe glaubhaft versichert, dass Fördermittel für Schienenprojekte abrufbar seien. Der Bahnvorstand habe jedoch einen Baustopp mit der Begründung verhängt, der Bund halte Gelder zurück. (jök.)
DB-Börsengang: Schröder entschied Absage
Mehdorn-Rücktritt gefordert / Ursprünglicher Zeitplan ist "neu zu definieren" / Auch Gewerkschaft Transnet forderte Verschiebung