Bund will E-Mobilität fördern

15.06.2015 11:08 Uhr
Elektrofahrzeug Street-Scooter
In der Flotte der Deutschen Post fahren bereits vereinzelt Elektrofahrzeuge
©Foto: Deutsche Post DHL

Weil die Elektromobilität in Deutschland nicht richtig vorankommt, plant die Regierung Förderprogramme. Der VDA fordert, auch Nutzfahrzeuge einzubeziehen.

Berlin. Vor der Regierungskonferenz „Elektromobilität: Stark in den Markt“, die am heutigen Montag stattfindet, zeichnet sich ab, dass das ehrgeizige Ziel von einer Million Elektroautos bis zum Ende des Jahrzehnts ohne staatlichen Kaufanreiz nicht zu erreichen ist. Die große Koalition denkt an ein Milliarden-Förderprogramm. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) sieht im E-Markt auch für Nutzfahrzeuge eine Chance, vorausgesetzt die Bundesregierung entschließt sich zu einer steuerlichen Förderung.

Chancen in der Citylogistik

VDA-Präsident Matthias Wissmann spricht sich für eine 50-Prozent-Abschreibung im ersten Jahr aus, um die Zahl gewerblich angeschaffter Elektrofahrzeuge zu erhöhen. „Großes Potenzial sehen wir vor allem bei leichten Nutzfahrzeugen im Verteil- und Wirtschaftsverkehr in den Städten. So könnten künftig etwa Kuriere und Paketdienste mit elektrischen Kleintransportern liefern“, betonte Wissmann gegenüber der VerkehrsRundschau. Besonders in Flotten könnten Elektrofahrzeuge wirtschaftlich eingesetzt werden. „Kleinere und mittelgroße Lieferfahrzeuge legen im Durchschnitt deutlich mehr Kilometer zurück als private Pkw und können so die höheren Anschaffungsausgaben über günstigere Verbrauchs- und Wartungskosten amortisieren.“

Angesichts des schleppenden Verkaufs von Elektroautos hatte eine Parlamentariergruppe der großen Koalition mehr Kaufanreize gefordert. Dabei käme eine steuerliche Förderung von Elektrofahrzeugen für Dienstwagenflotten infrage, schrieben 14 Verkehrs-, Umwelt- und Wirtschaftsexperten an Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Aus Koalitionskreisen hieß es, es sei ein Paket von rund drei Milliarden Euro bis 2020 geplant. Beim Kauf gewerblich genutzter Fahrzeuge soll es demnach eine Sonderabschreibung von 50 Prozent im ersten Jahr geben. Zusätzlich könnte es noch Forschungsgelder und Hilfen zum Bau von Ladesäulen geben.

Der CDU-Wirtschaftspolitiker Joachim Pfeiffer sowie die verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Kirsten Lühmann, kalkulieren bei einer Sonderabschreibung im ersten Jahr mit Kosten von etwa 200 Millionen Euro für den Bund. Angesichts der zum Teil wieder gestiegenen Belastung durch Feinstaub helfe Elektromobilität insbesondere in den Innenstädten mit dem durch den Onlinehandel gestiegenen Lieferverkehr. Einzelne Logistikfirmen würden sich erfolgreich an Modellversuchen beteiligen.

Prämie von 5000 Euro pro Fahrzeug

Nach Ansicht der Grünen ist die diskutierte Sonderabschreibung auf elektrische Dienstwagen nur eine „halbherzige Initiative“. „Wir fordern eine Kaufprämie von bis zu 5000 Euro für Elektroautos“, sagte der Grünen-Verkehrsexperte Stephan Kühn. Diese könne über eine Umlage bei der Kfz-Steuer finanziert werden, die beim Kauf von Autos mit CO2-Ausstoß über dem europäischen Grenzwert anfalle.

Die geringe Reichweite, der hohe Preis und zu wenig Ladestellen gelten als größte Hemmnisse für die Nachfrage nach Elektroautos, deren Zahl die Bundesregierung zur Förderung des Klimaschutzes bis 2020 auf eine Million erhöhen will. Derzeit sind rund 20.000 Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb auf den Straßen. (jök)

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