Bremen/Bremerhaven. Vollbremsung in den Bremischen Häfen im ersten Halbjahr. Die globale Absatzkrise in der Autoindustrie hat dazu geführt, dass eine der tragenden Säulen des Seegüterumschlags der Bremischen Häfen, der Automobilumschlag, geradezu eingebrochen ist. Zwischen Januar und Juni wurden auf den Spezial-Terminals in Bremerhaven 521.867 Fahrzeuge umgeschlagen – ein Rückgang von 52,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresvergleichszeitraum. Damals gingen 1,08 Millionen Fahrzeuge über die Kaikanten, berichtet die Bremens Behörde für Wirtschaft und Häfen. Ein kleiner Trost: Auch das belgische Zeebrügge, mit dem Bremerhaven seit Jahren engagiert um die Führung beim Kfz-Umschlag ringt, verlor im aktuellen Berichtszeitraum rund 47 Prozent seiner Auto-Umschlagmengen auf 601.280 Fahrzeuge. Auch beim Container- Umschlag spürten die Bremern kräftigen Gegenwind und fielen auf den Wert von 2006 zurück. Auf der Grundlage Standardcontainer (TEU) gingen die Mengen im aktuellen Berichtszeitraum um 20,5 Prozent auf 2,150 Millionen TEU zurück. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2008 wurden noch 2,7 Millionen TEU umgeschlagen, was damals einem Zuwachs um 15,9 Prozent entsprach. Immerhin: Der Abwärtstrend beim Containerumschlag scheint sich augenblicklich verlangsamt zu haben. Mit 391.000 TEU war der Juni bereits „über dem Wert der Vormonate“. Herbe Verluste müssen die Bremer auch beim Massengutumschlag verkraften. Der verringerte sich um 33,8 Prozent von rund fünf Millionen Tonnen auf 3,3 Millionen Tonnen. Die Schwäche der maritimen Verbundwirtschaft wird auch die Kasse des Stadt-Staates zu spüren bekommen. Die Anzahl der Schiffsanläufe ging mehr als 900 Einheiten von 4765 auf 3837 Schiffe zurück. Damit fallen die schiffsbezogenen Abgaben ebenfalls geringer aus. Indes hat sich Bremens Senator für Wirtschaft und Häfen, Ralf Nagel, auf seiner traditionellen Sommertour durch den Zwei-Städte-Staat dafür ausgesprochen, den Industriehafen in Bremen weiter zu ertüchtigen. Es geht um die Vertiefung der durch eine Schleuse von der Weser getrennten Hafenbecken. Hier konzentrieren sich vor allem Stückgut- und Massengut-Betriebe. Nagel: „Der Industriehafen hat eine eigenständige und große Bedeutung für die Bremische Hafenwirtschaft. Das sinnvolle Projekt wird deshalb bei der künftigen Investitionsplanung Priorität haben.“ Zudem sprach sich der Senator dafür aus, die für den Seehafen-Hinterland-Verkehr wichtige Mittelweser zu vertiefen, um die Marktchancen des Verkehrsträgers Binnenschiff zu stärken. (eha)
Bremische Häfen mit deutlichen Einbrüchen
Umschlagszahlen für Container, Autos und Massengut verlieren massiv / Auch bei den Seeschiffsanläufen erhebliche Rückgänge