BDI-Präsident will defizitäre Spedition verkaufen

12.10.2006 15:49 Uhr

Jürgen Thumann sieht Verantwortung für drohende Insolvenz der Spedition Dehnhardt bei Betriebsrat und Gewerkschaft

Berlin/Meinerzhagen. Der Stahlunternehmer und Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) Jürgen Thumann will seine defizitäre Spedition Dehnhardt im sauerländischen Meinerzhagen verkaufen. Für die Schieflage der Firma macht er den Betriebsrat und örtliche Vertreter der Gewerkschaft Verdi verantwortlich. Sie hätten ein Sanierungskonzept für das Unternehmen verhindert, sagte Thumann heute der Nachrichtenagentur „dpa“ in Berlin. Den Vorwurf von Betriebsratschef Peter Trapp, er habe die Spedition ausbluten lassen, nannte Thumann absurd. Vielmehr habe die Thumann Holding bislang 8,4 Millionen Euro zugeschossen. Mitte der 90er Jahre hatte Dehnhardt im Zuge der Thyssen-Krupp-Fusion seinen größten Kunden verloren. Die auf den Transport von Stahlrollen spezialisierte Spedition mache derzeit ein Minus von 700.000 bis 800.000 Euro pro Jahr, sagte Thumann. Er sei „nicht bereit, dauerhaft diese Verluste zu tragen“. Noch habe die Firma aber keinen Insolvenzantrag gestellt. Solange die Holding die Verluste ausgleiche, „ist das Unternehmen nicht insolvent“. Dehnhardt beschäftigt derzeit 66 Mitarbeiter, hat rund 40 Lastwagen im Einsatz und laut Thumann zuletzt 13 Millionen Euro Jahresumsatz gemacht. Die gesamte Unternehmensgruppe Thumanns erwirtschafte mit etwa 2400 Mitarbeitern rund 400 Millionen Euro Umsatz. Er suche jetzt nach einem Käufer für die Spedition als Ganzes oder Teile davon, berichtete der BDI-Präsident. Es hätten sich Interessenten gemeldet, die aber nur einsteigen wollten, wenn die Rahmenbedingungen akzeptabel seien. Thumann dringt auf Kürzungen beim Einkommen der Beschäftigten, auf die Einführung eines satellitengestützten Ortungssystems zur Steuerung der Lastwagen und flexiblere Regeln für Übernachtungen der Fahrer. In allen Punkten seien Betriebsrat und Verdi „zu keinem Kompromiss bereit“, monierte Thumann. Sie hätten die Gründung einer Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft abgelehnt, für die er, Thumann, eine Million Euro zur Verfügung gestellt hätte. Er habe der Belegschaft auch angeboten, die Firma zum symbolischen Preis von einem Euro schuldenfrei zu übernehmen und hätte in diesem Fall eine Million Euro als Startkapital gegeben. Dies sei ebenso nicht angenommen worden. Am Donnerstag voriger Woche seien die Gespräche mit dem Betriebsrat deshalb abgebrochen worden, sagte Thumann. (dpa/sb)

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