Die Deutsche Bahn hat am Schmidtstedter Knoten in Erfurt eine entscheidende Bauphase begonnen, teilt die dpa mit: Eine rund 1.500 Tonnen schwere Bahnbrücke wird aus ihrer Verankerung gehoben, versetzt und anschließend teilweise untersucht. Die gewonnenen Erkenntnisse könnten auch für andere Brückenbauwerke in Ostdeutschland von Bedeutung sein.
Stahlkonstruktion wird auf mögliche Korrosionsschäden geprüft
Nach dem Ausbau der Brücke sollen Teile der Stahlkonstruktion von einem Ingenieurbüro auf mögliche Schäden untersucht werden. Nach Angaben der Bahn wurde beim Bau des Bauwerks im Jahr 1974 Stahl aus einer Charge verwendet, die im Verdacht steht, anfällig für bestimmte Korrosionsschäden zu sein.
Der betreffende Stahl kam der dpa zufolge auch bei weiteren Brücken in Ostdeutschland zum Einsatz. Dazu zählt unter anderem die Carolabrücke in Dresden, die im September 2024 teilweise eingestürzt war. Lesen Sie hier: Abriss der Carolabrücke kostet 32 Millionen Euro – Neubau ab 2028 geplant.
Brücke wird um 1,40 Meter angehoben und versetzt
Für die Arbeiten wird das Bauwerk mithilfe von 16 Pressen um etwa 1,40 Meter angehoben. Anschließend transportieren zwei spezielle Transportmodule die Brücke auf eine Behelfskonstruktion. Dabei wird sie rund 50 Meter bewegt.
Die Bahn gibt das aktuelle Gewicht der Konstruktion mit etwa 1.500 Tonnen an. Zuvor war von rund 1.800 Tonnen ausgegangen worden.
Am Nachmittag habe es beim Anheben technische Schwierigkeiten gegeben, so die dpa. Der Vorgang dauerte deshalb länger als erwartet.
Neue Brückenteile sollen Anfang September eingebaut werden
Auf der Behelfskonstruktion wird die alte Brücke in den kommenden Tagen zerlegt. Anfang September sollen zwei neue Brückenteile eingebaut werden und die bestehende Konstruktion ersetzen.
Die Arbeiten haben erhebliche Auswirkungen auf den Verkehr in Erfurt. Für die Maßnahme wurde eine der wichtigsten Kreuzungen der Stadt gesperrt. Zudem können derzeit zwei Gleise am Erfurter Hauptbahnhof nicht genutzt werden.
Großprojekt mit ungewöhnlich kurzer Projektlaufzeit
Das Ausheben der Brücke gilt als einer der wichtigsten Schritte des gesamten Projekts. Nach Angaben von DB InfraGO sind Arbeiten dieser Größenordnung zwar nicht ungewöhnlich, die Umsetzung erfolgte in Erfurt jedoch unter erheblichem Zeitdruck.
Walter sagte, auch für DB InfraGO sei ein solches Projekt nicht alltäglich: Üblicherweise dauere es etwa sieben bis acht Jahre, ein solches Projekt umzusetzen. Im Falle dieser Brücke am Schmidtstedter Knoten liege die Projektlaufzeit bei etwa einem Jahr.
Möglich geworden sei die deutlich verkürzte Umsetzung nach Angaben des Projektleiters auch durch die enge Abstimmung zwischen der Stadt Erfurt und der Deutschen Bahn.
(Der Artikel wurde am 18.08.2026 um 15:55 Uhr aktualisiert.)