Hamburg. Nach Jahren des stürmischen Wachstums rechnen die deutschen Häfen mit einer Atempause. Wegen der internationalen Finanzkrise und der schwächeren Weltkonjunktur habe sich das Wachstum stark verlangsamt, teilte der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) am Mittwoch in Hamburg mit. Für das laufende Jahr sei insgesamt noch mit einem Zuwachs des Güterumschlags um drei Prozent auf rund 322 Millionen Tonnen zu rechnen, doch im kommenden Jahr werde das Wachstum geringer ausfallen. Auf eine etwas präzisere Prognose wollte sich ZDS-Präsident Detthold Aden nicht einlassen. "Die Stimmen aus der Reederschaft vermitteln derzeit kein einheitliches Bild; deshalb können wir die künftige Umschlagentwicklung nur schwer einschätzen", sagte er. Der ZDS appellierte an die Politik, den Ausbau der Infrastruktur in den Häfen und für die Hafenzufahrten dennoch voranzutreiben und eventuell sogar vorzuziehen. Bei dem schwächeren Wachstum handele es sich nur um eine Delle, nicht um eine nachhaltige Entwicklung, sagte Aden. "Der langfristige Wachstumspfad wird nicht beeinträchtigt. Der Ausbau der Hinterlandanbindungen der deutschen Seehäfen ist weiter dringend erforderlich." Die entsprechenden Programme seien bislang weiterhin unterfinanziert. Ein vorgezogener Ausbau könne der allgemeinen Konjunkturschwäche entgegenwirken. An Nord- und Ostsee gibt es rund zwei Dutzend Häfen mit einem nennenswerten Güterumschlag. Mehr als zwei Drittel des gesamten Umschlags entfallen auf die beiden Welthäfen Hamburg und Bremerhaven sowie den Ölhafen Wilhelmshaven. In der Ostsee dominieren Lübeck und Rostock. Unter den mittleren und kleineren Häfen hat vor allem Brunsbüttel an der Elbmündung eine sehr gute Entwicklung mit einem Umschlagwachstum von 55 Prozent im vergangenen Jahr genommen, weil teilweise Massengutumschlag vom Hamburger Hafen verlagert wurde. Gegenwärtig zeichnet sich ab, dass in diesem Jahr der Containerumschlag in Bremerhaven schneller wächst als in Hamburg, weil an der Elbe einige Terminals durch Ausbauarbeiten beeinträchtigt sind. Mittelfristig wachsen die beiden Großhäfen im Gleichtakt. (dpa)
Atempause für deutsche Häfen: Wachstum wird schwächer
Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe bleibt zuversichtlich: "Der langfristige Wachstumspfad wird nicht beeinträchtigt." / Vorgezogener Ausbau der Hinterlandanbindungen gefordert