Moskau. Die russische Frachtfluglinie Air Bridge Cargo will ihre Geschäfte künftig offenbar von Luxemburg aus lenken. Es gebe entsprechende Umzugspläne für das Top-Management. Das erfuhr die VerkehrsRundschau aus internen Quellen. Umziehen müssten neben der Leiterin von ABC, Tatjana Arslanova, auch deren deutscher Vertriebs- und Marketingchef Wolfgang Meier, das für den Bereich Europa, Naher Osten und Afrika zuständige Leitungspersonal sowie weitere führende Mitarbeiter. Die russische Flugbetriebslizenz von ABC, das so genannte Air Operator’s Certificate – AOC, bliebe davon unberührt. Dies gilt auch für die aus drei Boeing 747-8F sowie neun 747-400F bestehende Flotte der zum russischen Volga-Dnepr-Konzern gehörenden Airline.
Die bevorstehende Maßnahme scheint ein erstes Zeichen von Denis Ilyin zu sein, dem neuen starken Mann bei ABC. Er war bereits vor Jahren Chef der Frachtfluggesellschaft, wechselte dann aber zum Mischkonzern Basic Element Company über. Seit wenigen Tagen ist Ilyin als Berater des Aufsichtsratsvorsitzenden und Präsidenten von Volga-Dnepr, Alexey Isaikin wieder an Bord von ABC.
Die geplante Verlagerung des Top-Managements nach Luxemburg könnte auch ein Zeichen dafür sein, dass ABC sich mit der örtliche Frachtlinie Cargolux verbinden will. Diese sucht seit der im vergangenen Dezember erfolgten Trennung von Minderheitsgesellschafter (35 Prozent) Qatar Airways nach einem geeigneten neuen Partner. Die kürzlich erfolgte Insolvenz von Air Cargo Germany (ACG), an der Air Bridge Cargo mit 49 Prozent beteiligt war, könnte die russische Gesellschaft veranlasst haben, sich nach neuen Beteiligungs- oder Kooperationsmöglichkeiten umzusehen.
Sollte ABC einen finanziellen Einstieg bei Cargolux planen, ist allerdings fraglich, woher das Kapital stammen soll. Denn die Airline ist defizitär und dürfte durch ihr Engagement bei der ACG viel Geld verloren haben.
Wegen der anhaltend schwachen Marktsituation hat sich ABC dazu entschieden, zwei von insgesamt fünf bei Boeing bestellten Großfrachtern 747-8F vorübergehend auf einem US-Wüstenairport zu parken. Ihr Einsatz scheint angesichts der stagnierenden Frachtentwicklung derzeit wirtschaftlich nicht möglich zu sein. (hs)