60-Tonner: Signal für deutsche Verkehrspolitik

02.09.2004 08:56 Uhr

Der Bundesverband des deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) warf gestern in einer Presseerklärung der deutschen Politik „Lamentieren“ bei der 60-Tonner-Frage vor und lobte den letzte Woche gestarteten Feldversuch in den Niederlanden.

Berlin: „Der in Holland gestartete Modellversuch mit 60-Tonnen-LKW ist auch ein wichtiges Signal für die deutsche Verkehrspolitik. Holland leidet noch stärker als Deutschland unter dem stetig wachsenden Verkehrsaufkommen. Daher ist es nur konsequent, die Fahrzeugkombinationen zu vergrößern und höhere Tonnagen zuzulassen. In der Summe kommen so weniger LKW auf die Strasse.“ Dies erklärte Gerhard Riemann, Vorsitzender des BGA Verkehrsausschusses, zum Start eines Modellversuchs für 60-Tonnen-LKW in Holland. Seit einer Woche können bis zu 300 LKW mit einer Gesamtlänge von 25,25 m und einem Gesamtgewicht von 60 Tonnen Transporte in den Niederlanden durchführen. Dieser Modellversuch soll zwei Jahre dauern und im gesamten Streckennetz der Niederlande stattfinden. Die Fahrer müssen eine eintägige Zusatzausbildung absolvieren, um diese längeren Fahrzeugkombinationen sicher zu steuern. Das Projekt wird vom niederländischen Verkehrsministerium in Den Haag geleitet. Auch deutschen Speditions- und Transportunternehmen steht die Teilnahme an dem Versuch offen. In Deutschland sind bisher nur Fahrzeugkombinationen mit einer Gesamtlänge von bis zu 18,75 Metern und einem Gesamtgewicht von 40 Tonnen erlaubt. „Während die deutsche Politik darüber lamentiert, ob Deutschlands Brücken für 60-Tonnen-LKW stabil genug seien, hat die Logistik-Nation Holland die Initiative ergriffen und aktiv etwas gegen den drohenden Verkehrsinfarkt unternommen“, so Riemann. Der BGA hatte Anfang August die Erhöhung der zulässigen Tonnage für LKW von 40 auf 60 Tonnen bei einer gleichzeitigen Verlängerung der Fahrzeugkombinationen gefordert. Das Bundesministerium für Verkehr hatte geantwortet, dass zwei Drittel der 37.000 Brücken in Deutschland älter als 25 Jahre seien und daher für den Schwerlastverkehr nicht geeignet sind. „Es ist völlig unbegreiflich, wie die Bundesregierung innovativen Überlegungen eine Absage erteilt, ohne eine genaue Prüfung der ökologischen und ökonomischen Vorteile von 60-Tonnen-LKW überhaupt in Erwägung zu ziehen. Bei weiterhin fehlenden Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur werden in 10 Jahren dort fünf LKW auf der Autobahn fahren, wo dies heute noch drei sind. Durch die Zulassung von 60-Tonnern könnte die Zahl der LKW konstant gehalten und 50 Prozent mehr Güter bei gleich bleibendem Streckennetz transportiert werden. Für die Umwelt wäre dies ein deutlicher Gewinn, denn Schadstoffemissionen verringern sich um bis zu 15 Prozent“, so Riemann abschließend.

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