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100 Tage Bahnchef Grube

Seit hundert Tagen ist Bahnchef Rüdiger Grube im Amt und muss an vielen Fronten kämpfen.
© Foto: ddp

Seit knapp hundert Tagen ist Bahnchef Rüdiger Grube im Amt. Ein Resümee


Datum:
06.08.2009
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von Sascha Meyer, dpa Berlin. Zu seinem ersten Arbeitstag als Bahnchef erschien Rüdiger Grube mit einem großen Aktenkoffer und einem guten Vorsatz: „Ich möchte erst einmal zuhören, mir auch mal 100 Tage geben“, sagte er Anfang Mai vor dem Eingang der Berliner Konzernzentrale. An diesem Samstag endet die selbstverordnete Einarbeitungszeit des Neuen, der gerade seinen 58. Geburtstag feierte. Nach der Affäre um massenhafte Kontrollen von Mitarbeiterdaten und E-Mails setzt dem bundeseigenen Verkehrsriesen im Tagesgeschäft nicht nur die Konjunkturflaute zu. Ist die Datenaffäre jetzt erledigt? Die helle Empörung, die das Unternehmen mit 240.000 Beschäftigten schwer geschüttelt hat, ist abgeebbt. Nach dem Sturz des langjährigen Bahnchefs Hartmut Mehdorn räumte der frühere Daimler-Vorstand Grube mit dem Aufsichtsrat in Rekordtempo auf. Drei Topmanager und eine ganze Führungskräfteriege mussten gehen, für sensible Posten wurden Nachfolger von außen gesucht. Als Personalvorstand kam Ulrich Weber von Evonik, Daimler-Mann Gerd Becht baut ein neues Vorstandsressort für Datenschutz und Korruptionsbekämpfung auf, die Konzernsicherheit leitet bald Berlins Polizei-Vize Gerd Neubeck. Doch die Affäre lodert noch: Gerade wurden Listen mit unzulässigen Krankheitsdaten entdeckt. Und auch bei Datenschutzbehörden laufen weitere Prüfungen. Was macht Grube anders als Mehdorn? Nachdem der jederzeit streitlustige Mehdorn am Ende erbittert an allen Fronten kämpfte, hat Grube das Terrain weiträumig befriedet. Mit Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) ist er schon per Du, das Verhältnis zu den Fachpolitikern im Bundestag hat er entspannt. Mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der ein ums andere Mal mit Mehdorn über Kreuz lag, verabredete Grube einen Neuanfang. Und auch im schwelenden Streit um Trassengebühren für die rollende NS-Ausstellung einer Initiative fand er eine Lösung mit einer Spende von 175.000 Euro. „Im Ton und im Vorgehen hat sich viel geändert“, heißt es bei der größten Gewerkschaft Transnet. Nun müsse aber der Wiederaufbau des Vertrauens in der Belegschaft weitergehen. Will Grube auch eine neue Unternehmensstrategie? Beim Kurs des Konzerns als weltweit tätiger Transporteur zu Lande, zu Wasser und in der Luft setzt der Neue auf Kontinuität. Das gilt auch für das große Ziel eines Börsengangs, den Mehdorn im vergangenen Herbst wegen der Finanzkrise kurz vor dem Ziel stoppen musste. „Wir dürfen die Kapitalmarktorientierung auf keinen Fall verlassen“, sagt Grube. Dabei steht ein neuer Anlauf in Richtung Börse in den nächsten zwei, drei Jahren nicht zur Debatte, wie der Aufsichtsratsvorsitzende Werner Müller feststellte. Kooperationen mit strategischen Partnern sind jedoch nicht tabu. Den erfahrenen Finanzvorstand Diethelm Sack, einen engen Mehdorn-Vertrauten, hat Grube an Bord halten können. Wie will Grube der Wirtschaftsflaute entgegensteuern? Wenn Grube und Sack am 20. August in Frankfurt die Bilanz für das erste Halbjahr 2009 vorlegen, wird die Krise darin deutliche Spuren hinterlassen. Vor allem im Güterverkehr auf der Schiene ist das Geschäft nach langem Boom weggebrochen, rund 35.000 Waggons stehen auf Abstellgleisen. Mitten in dieser Lage tauscht Grube den Chef der Sparte aus. Die operativen Probleme in den Griff kriegen soll nun der bisherige Strategieexperte Alexander Hedderich aus der Zentrale. Konzernweit verhängte der Vorstand bereits ein Krisenprogramm, das über fünf Jahre bis zu zwei Milliarden Euro einsparen soll. Was können die Fahrgäste erwarten? „Wir wollen Ihnen den bestmöglichen Service bieten“, versicherte Grube. Hartnäckige Technik-Probleme mit Achsen und Zugrädern kratzten zuletzt aber schwer am Image des Konzerns. Bei der Berliner S-Bahn kochte bei tausenden Pendlern Ärger über Notfahrpläne und überfüllte Wagen hoch. Die ICE-Flotte kehrte nach monatelangem Ersatzverkehr komplett auf die Gleise zurück, muss nun aber zur Sicherheit viel häufiger untersucht werden. Antworten will Grube bald auch auf die Frage, ob zum Jahreswechsel wieder eine Preisanhebung kommt. „Es wäre ein sehr positives Zeichen, einmal auf eine Erhöhung zu verzichten“, sagt der Vorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland, Michael Gehrmann.
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