„Das ist der Horror“

03.11.2008 15:58 Uhr

Nürnberger Justiz greift hart durch: Kraftfahrer saß 25 Tage unschuldig in Haft

Lichtenfels. Auch nach der Haftentlassung ihres Kollegen kochen bei den Mitarbeitern und der Firmenleitung der Lichtenfelser Spedition Kraus & Pabst die Emotionen hoch. 25 Tage saß Stephan Schober unschuldig in der Nürnberger Justizvollzugsanstalt. Am vergangenen Freitag konnte der 43-Jährige endlich wieder seine Frau Elke und seine beiden Kinder in die Arme schließen. Heute bei seiner Rückkehr in den Betrieb wird er gefeiert wie ein Held. Zugleich erheben Betriebsrat und Firmenleitung schwere Vorwürfe gegen die Justiz in Schwabach und Nürnberg. Auf Transparenten äußern Schobers Kollegen ihren Unmut. Sie reden von einem Justizskandal und einem Willkürakt. „Hier wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen.“ Schober und sein Anwalt Wolfgang Stretz behalten sich rechtliche Schritte von Dienstaufsichtsbeschwerden bis zu Schadenersatzklagen vor. Betriebsratsvorsitzender Harald Kober spricht von „einer Schweinerei, wie sie im Buche steht“. Hintergrund ist ein Bagatell-Unfall am 17. April in der Nähe von Schwabach. Ein Lastwagen der Lichtenfelser Spedition soll ein parkendes Auto angefahren haben. Der Sachschaden: 2500 Euro. Am 6. Oktober wird der Fall vor dem Amtsgericht Schwabach verhandelt. Schober wird als Zeuge vernommen. Er bestätigt, dass er neben seinem Kollegen, dem Fahrer Werner Vosswinkel, im Führerhaus saß – und nichts von einem Unfall bemerkt hat. Die Frau des PKW-Besitzers gibt dagegen an, dass nur ein Mann im Lastwagen saß. Schober wird noch im Gerichtssaal wegen uneidlicher Falschaussage und Verdunklungsgefahr festgenommen. Erst dreieinhalb Wochen nach dem Prozess bestätigt ein Lackgutachten, dass der Lastwagen der Spedition Kraus & Pabst als Unfallverursacher ausscheidet. Schober, gegen den bereits Anklage erhoben wurde, kommt frei. Für Kober und Firmenchef Rohrbacher bleiben eine Menge an Fragen an die Justiz. „Wieso wird ein vollkommen unbescholtener Bürger wegen einer Lappalie behandelt wie ein Verbrecher“, stellt Kober in den Raum. „Hier wird die Glaubwürdigkeit des Rechtsstaates infrage gestellt.“

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