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Elektro-Fahrzeuge und Brandschutz in Unternehmen

Sind Fahrzeuge mit einem E-Akku wirklich mehr brandgefährdet? Ein Experte klärt auf
© Foto: Feuerwehr Darmstadt-Dieburg/dpa/picture-alliance

Ein Experte klärt auf über Risiken und Brandschutz-Maßnahmen.


Datum:
30.05.2022
Autor:
Stefanie Schuhmacher
Lesezeit: 
3 min
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Immer mehr Unternehmen setzen darauf, ihre Firmen-Flotten um Elektro-Fahrzeuge zu ergänzen. Mittel- bis langfristig planen viele von ihnen sogar eine komplette Umrüstung. 

Skeptiker warnen jedoch vor den zusätzlichen Gefahren, die von den verbauten Lithium-Ionen-Akkus ausgehen. So hört man gelegentlich, diese können bei falscher Handhabung in Flammen aufgehen und seien danach nur schwer zu löschen. In folgendem Gastbeitrag verrät der Sicherheits-Experte Donato Muro, welches Risiko Elektro-Fahrzeuge in Wirklichkeit darstellen und wie Unternehmer dieses abwenden können.

Batterien verkomplizieren die Löscharbeiten

Tatsächlich räumt Muro ein, brennende Batterien seien aufgrund ihres distinkten Brandverhaltens anders zu behandeln als Brände an Fahrzeugen mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren. So beschreibt er einen E-Fahrzeug-Brand als unberechenbar - der Verlauf wird stark beeinflusst von der Struktur der Batterie sowie deren Zellchemie und Ladezustand.

Auch beim Löschen treten mitunter erhebliche Verzögerungen auf. Da sich die Batterie eines E-Fahrzeugen in der Regel in einem Gehäuse befindet, bewertet der Experte es als schwierig, diese mit Löschwasser zu erreichen. Die Löschwirkung, erklärt Muro, setzt in Fällen mit geringer mechanischer Beschädigung am Batteriegehäuse erst ein, wenn sich dieses mit Wasser füllt.

Diese Faktoren haben zur Folge, dass ein E-Fahrzeug-Brand sich in der Regel zu einem Vollbrand entwickelt, der von der Feuerwehr gelöscht werden muss. Aufgrund der Gefahr durch Stichflammen, giftigen Rauch und abplatzende Batterieteile rät er dazu, den Brandherd zu räumen und die eigenen Löschbemühungen, wenn möglich, darauf zu konzentrieren, die Ausbreitung zu verhindern.

Keine Gefahr der Selbstentzündung - zumindest bei unbeschädigten E-Fahrzeug-Akkus

Die vielfach beschworene Behauptung von der erhöhten Brandgefahr durch Selbstentzündung der Akkus hingegen lehnt Muro ab. Zwar räumt er ein, dies könne theoretisch vorkommen, jedoch nicht bei zertifizierten Akkus und Ladestationen, die sachgemäß verwendet werden. Bevor sie in den Verkehr gelangen, müssen sowohl Akkus als auch Ladeeinrichtungen für E-Fahrzeugen eine Vielzahl an Tests durchlaufen, die ihre Sicherheit garantieren sollen. Ein Defekt ab Werk sei daher ebenso wahrscheinlich wie bei einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor, betont Donato Muro.

Um die Sicherheit von Elektro-Fahrzeugen fortlaufend zu gewährleisten, rät der Brandschutz-Experte den Haltern dazu, diese regelmäßig von einem Sachverständigen kontrollieren zu lassen. Insbesondere nach Unfällen steigt das Risiko, so Donato Muro. So können bereits augenscheinlich unbedeutende Unfälle zu Schäden am Akku führen, die die Brandgefahr steigern.

Ergänzend zu diesen Kontrollen legt er Unternehmern nahe, ihre Elektro-Flotten angemessen zu versichern. So sollte eine Police für Elektroautos aufgrund des starken Wertverlusts anstatt des Zeitwerts den Wiederbeschaffungswert absichern. Zudem sollten Versicherer gemieden werden, die Leistungen bei Fahrlässigkeit ausschließen. Im Brandfall bliebe sonst schlimmstenfalls der Halter auf den Kosten sitzen, weil die Versicherung argumentiert, der Akku oder die Ladestation sei nicht sachgemäß benutzt worden. Zusätzlich sollte die Gebäudeversicherung angepasst werden. Im Brandfall kommt viel Wasser zum Einsatz. Dieses und auch der starke, giftige Rauch können die Gebäude unnutzbar machen, weshalb man sich auch gegen solche Schadensfälle umfassend absichern sollte.

Korrektes Verhalten im Brandfall schützt Leben und Betriebsmittel

Im Brandfall gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren. Der Brandherd sollte schnellstmöglich geräumt und die Feuerwehr verständigt werden. Erst nach Abschluss der Löscharbeiten und Entwarnung durch die Feuerwehr sollten weitere Maßnahmen zur Schadensbegrenzung unternommen werden.

Der erste Schritt sollte dabei darin bestehen, das schadhafte Fahrzeug unverzüglich ins Freie zu bringen, sobald dies unter Einhaltung der Sicherheitsvorkehrungen möglich ist. Aufgrund der Gefahr einer Rückzündung ist es zudem unabdingbar, die Batterie ständig mit Wasser zu kühlen, bis der Abschleppdienst eintrifft. Während des gesamten Vorgangs sollte die Temperatur der Batterie in regelmäßigen Abständen mit einer Wärmebildkamera kontrolliert werden. Kommt es zu plötzlicher Wärmeentwicklung, ist dies ein Zeichen für eine drohende Rückzündung. (ste)

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