Güterzug

Auf Dauer sollen mit der neuen Verbindung jeden Tag 84 Lkw-Ladungen befördert werden (Symbolbild)

©Holger Hollemann/dpa/picture-alliance

Brittany Ferries: Schienenverbindung mit Südeuropa geplant

Ab April 2021 will die Reederei Brittany Ferries Anhänger und Auflieger zwischen Irland, Großbritannien und Spanien auch per Schiene transportieren. Pro Tour möchte das Unternehmen damit rund eine Tonne CO2 einsparen.

Paris. Die Reederei Brittany Ferries will ab April 2021 Anhänger und Auflieger zwischen Irland, Großbritannien und Spanien auch per Schiene transportieren. Sie plant dafür gemeinsam mit den Ports der Normandie in Cherbourg die Einrichtung einer entsprechenden „Schienenautobahn“. Anfang April soll über das geplante privat-öffentliche Projekt verhandelt und die Linie ein Jahr später eröffnet werden.

Zielort auf der iberischen Halbinsel ist der Ort Mouguerre unweit Bayonne nahe der spanischen Grenze. Auf der Strecke per Straße verfrachtet würden pro Tour rund eine Tonne CO2 anfallen, erklärte Jean-Marc Roué, Verwaltungsratsvorstand bei Brittany Ferries, bei der Vorstellung des Projekts. Die Reederei ziehe daher die Schiene als Transportmittel vor. In Cherbourg stützt sie ihr Vorhaben auf zwei transmodale Terminals mit Gleisanschluss, in Mouguerre wird ebenfalls eines gebaut.

Die Bahnstrecke ist 950 Kilometer lang. Der erste Teil verläuft über Caën, Le Mans und Tours und ist noch nicht elektrifiziert. Eingesetzt werden dafür Diesellokomotiven bis nach Saint-Pierre des Corps. Zwischen Poitiers und Bordeaux müssten bis 2024 noch vier Bahntunnel eingerichtet werden, erklärte Roué weiter.

Zeiten und Abfahrtsorte der neuen Verbindung

Die geplante Schienenverbindung soll täglich erfolgen, Richtung Süden um 18.46 Uhr von Cherbourg starten und am nächsten Morgen um 9.25 Uhr in Mouguerre eintreffen. In der Gegenrichtung lauten die vorgesehenen Abfahrts- und Ankunftszeiten 16.29 Uhr und 9.14 Uhr. Auf Dauer sollen damit jeden Tag 84 Lkw befördert werden.

Die Schiffe der Brittany Ferries landen auf der französischen Seite am Ärmelkanalhafen in Ouistreham. Dafür, warum nicht dieser Hafen als Ausgangspunkt für die geplante Schienenverbindung gewählt wurde, nannte Jean-Marc Roué zwei Gründe: Zum einen sei die Bahnanbindung in Cherbourg vorteilhafter, eine Anpassung in Ouistreham wäre „viel teurer“ geworden. Zum anderen habe auch der Brexit bei der Entscheidung mitgespielt, denn in Cherbourg gebe es schon direkte Schiffsverbindungen mit dem EU-Mitgliedsland Irland. Die Idee sei, Spanien mit England und Irland über die Schiene, per Schiff und per Straße zu verbinden. Wahrscheinlich im Vorgriff auf den britischen EU-Ausstieg habe Brittany Ferries seit einem Jahr im Lkw-Transport zwischen Spanien und Großbritannien einen Anstieg um 30 Prozent verzeichnet.

Die Fertigstellung des Terminals in Cherbourg finanzieren der dortige Hafenbetreiber, die Region Normandie, das Departement und die Großregion des Cotentin. Die EU beteiligt sich mit 1,4 Millionen Euro. Die geschätzten Gesamtkosten liegen bei sieben Millionen Euro. Für den Wagon-Ankauf und den Bau des intermodalen Terminals in Mouguerre rechnet man bei Brittany Ferries mit Kosten in Höhe von 30 Millionen Euro. (jb)

Weitere Berichte zu diesem Thema finden Sie in unserem Special RAILCARGO & KV.

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