Die neuen Regularien und Zollformalitäten nach der kurzfristigen Brexit-Einigung überfordern derzeit viele Unternehmen

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Britische Unternehmen bekommen Brexit-Folgen zu spüren

Gut eine Woche nach dem endgültigen Austritt Großbritanniens aus dem Binnenmarkt und der Zollunion zum Jahreswechsel machen sich die Folgen beim Warenverkehr bemerkbar.

London. Gut eine Woche nach dem endgültigen Austritt Großbritanniens aus dem Binnenmarkt und der Zollunion zum Jahreswechsel machen sich die Folgen beim Warenverkehr bemerkbar.

Der Paket-Dienstleister DPD zog am Freitag etwa Konsequenzen und stellte Lieferungen von Großbritannien auf den europäischen Kontinent und nach Irland vorübergehend ein. Grund sei die erhöhte Belastung durch die erforderliche Zollbürokratie, wie das Unternehmen auf seiner Webseite mitteilte. 20 Prozent der Pakete wurden demnach ohne ausreichende Zollerklärung abgesendet und müssten an die Absender zurückgeschickt werden.

Schwierigkeiten gibt es auch für die Textileinzelhändler, deren Waren häufig in Asien hergestellt werden. Dem an Heiligabend vereinbarten Handelspakts zufolge fallen für Kleider und Accessoires, die beispielsweise aus Bangladesch oder Kambodscha stammen, nun Zölle an, sollten sie von Großbritannien aus auf die irische Insel oder den Kontinent geliefert werden. Die neuen Regeln betreffen außer dem EU-Mitglied Irland auch das zum Vereinigten Königreich gehörende Nordirland.

Neuregelungen für viele Unternehmen zu kurzfristig

Die Unternehmen John Lewis und TK-Maxx stellten Lieferungen nach Nordirland vorübergehend ein. Das Warenhaus Debenhams nahm seinen Online-Shop für Irland vom Netz. „Es tut uns leid, aber wir sind derzeit nicht in der Lage, Bestellungen von der Republik Irland auszuliefern wegen Unsicherheit über die Handelsbestimmungen nach dem Brexit“, hieß es zur Begründung.

Probleme gibt es auch für Exporteure von Fisch- und Meeresfrüchten, die ihre Waren nun aufwendige Erklärungen ausfüllen müssen. Die Chefin des Verbands Seafood Scotland, Donna Fordyce, sprach am Freitag von einem „perfekten Sturm“ aus Folgen der Corona-Pandemie und dem Brexit für die Branche. Viele Unternehmen seien nicht in der Lage, die erforderlichen Unterlagen auszufüllen.

Hinzu kämen Probleme bei den IT-Systemen und Verwirrung über die neuen Regelungen. Sollte die leicht verderbliche Ware nicht rechtzeitig ausgeführt werden können, müsse sie weggeworfen werden. „Wir könnten innerhalb sehr kurzer Zeit die Zerstörung einer jahrhundertealten Branche sehen, die einen erheblichen Teil der schottischen Wirtschaft ausmacht“, so Fordyce der britischen Nachrichtenagentur „PA“ zufolge.

Leere Supermarktregale auch in Nordirland

Auch in Nordirland bekommen Verbraucher den Brexit wenige Tage nach dem Ende der Übergangsphase bereits im Supermarkt zu spüren. „Die Menschen hier beschweren sich über leere Regale in den Supermärkten“, sagte die nordirische Konfliktforscherin und Brexit-Expertin Katy Hayward von der Queen's University Belfast der „Deutschen Presse-Agentur“. Insbesondere bei frischen Produkten komme es zu Störungen der Lieferketten. Unternehmen seien unsicher, welche Formulare bei der Einfuhr notwendig sind.

„Viele merken, dass sie nicht vorbereitet sind“, so Hayward. Das sei nicht überraschend – normalerweise brauche es Jahre, um solche aufwendigen Veränderungen umzusetzen. Viele Firmen verschieben daher ihre Fahrten, was sich bei frischen Produkten als erstes bemerkbar macht.

Nach dem Brexit gelten für das zum Vereinigten Königreich gehörende Nordirland spezielle Regeln, die im sogenannten Nordirland-Protokoll festgehalten sind. Damit wird eine harte EU-Außengrenze zwischen Irland und Nordirland vermieden, da durch eine solche das Aufflammen alter Konflikte zwischen den Landesteilen befürchtet wird. Nordirland ist damit enger an die EU gebunden und folgt weiter den Regeln des EU-Binnenmarkts. Bei der Einfuhr von Waren aus Großbritannien nach Nordirland sind daher seit dem 1. Januar Zoll- und Zertifikatskontrollen fällig. (dpa/ag)

Weitere Berichte zu diesem Thema finden Sie in unserem Special GROSSBRITANNIEN UND IRLAND.

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