Vulkanausbruch in der Eifel – Chaos in Deutschland – Durcheinander bei den Rettungskräften – Aschewolken begraben Menschen in der City von Frankfurt am Main. Vor wenigen Monaten flimmerte eine zweiteilige Fernsehserie in deutschen Wohnzimmern. Einige Zuschauer waren fasziniert, andere schockiert und die meisten sahen das ganze nur als unrealistischen Quatsch an.
Und nun das: In halb Europa steht der Flugverkehr still, weil in Island ein Vulkan Asche spuckt. Hamburg, Bremen, Hannover, Frankfurt, Nürnberg – ein deutscher Flughafen nach dem anderem verbietet Start und Landungen von Luftfahrzeugen. Zu groß die Gefahr, dass Glas, Steine und Sand aus der Vulkanasche die Triebwerke der Flugzeuge beschädigen.
Chaos auch gestern in den Redaktionen: Erst heißt es gegen Mittag von Eurocontrol, Teile des deutschen Luftraums sind gesperrt. Die Lufthansa meldet, sie weiß nichts davon. Dann das Dementi der europäischen Flugsicherung, der deutsche Luftraum sei nicht gesperrt. Wenig später meldet dpa, der Hamburger Flughafen muss geschlossen werden, kurz darauf: die Schließung sei nur geplant.
Luftfahrtbranche und Medien schienen gestern etwas überfordert, die Auswirkungen eines Vulkanausbruches in Europa schnell und richtig einzuordnen. Kein Wunder, liegt doch der letzte Vulkanausbruch, der Mitteleuropa betraf, schon einige Jahrhunderte zurück. Chaos entsteht eben immer dann, wenn Menschen mit unbekannte Ereignissen konfrontiert werden. Oder wie ein japansicher Philosoph schon vor langer zeit wusste: „Eine Vulkan-Katastrophe kommt immer dann, wenn die Menschen den letzten Ausbruch vergessen haben.“ Eines haben alle in den vergangenen Stunden gelernt: Ein Vulkanausbruch, der das Leben in Mitteleuropa drastisch beeinträchtigen kann, ist kein Quatsch, sondern jederzeit möglich.
Andre Kranke, stellv. Chefredakteur