München. Ärger im Straßenverkehr einfach herunterzuschlucken ist für die meisten deutschen Fahrer keine Option. 63 Prozent der Männer und ganze 70 Prozent der Frauen gaben bei einer Befragung des Portals Autoscout24 an, ab und zu vor sich herzuschimpfen. Einige wollen ihren Unmut aber auch der Umgebung mitteilen: Sie fluchen laut aus dem Fenster. Dies tun die deutschen Frauen mit vier Prozent doppelt so oft wie die Männer (zwei Prozent).
Im Ländervergleich sind die Niederländer besonders gelassen. Jeden dritten Holländer bringt nach eigenen Angaben nichts aus der Ruhe und jeder fünfte lässt sich seinen Ärger nicht anmerken. Nur 48 Prozent von ihnen schimpfen, während es in Italien 59, Belgien 61, Spanien 62 und Deutschland sogar 70 Prozent sind. Die Italiener sind diejenigen, die am häufigsten laut aus dem Fenster fluchen (sieben Prozent).
Italiener mit Handy am Ohr
Gerade zur Urlaubszeit treffen in verschiedenen Ländern unterschiedliche Fahrstile aufeinander. Im Rahmen der Erhebung, für die Autoscout24 rund 30.000 belgische, deutsche, italienische, niederländische und spanische Autofahrer befragt hat, zeigt sich, dass Deutsche, Spanier und Belgier sich am ähnlichsten sind – zumindest in der Selbstwahrnehmung. Sie beschreiben ihren Fahrstil überwiegend als vorausschauend, während die Italiener angeben, vorsichtig und die Niederländer zügig zu fahren. Die Deutschen mögen es vor allem schnell und sind als einzige mehrheitlich gegen ein Tempolimit auf Autobahnen.
Die kommunikativen Italiener telefonieren dafür am häufigsten während der Fahrt mit dem Handy am Ohr (34 Prozent manchmal, sechs Prozent immer). Und sie bezeichnen sich selbst nicht als besonders rücksichtsvolle Autofahrer, während die anderen Länder hier wohlwollend auf die einheimischen Verkehrsteilnehmer blicken. Der nachsichtige Fahrstil wird insgesamt vor allem den Deutschen und Schweizern zugeschrieben.
Tempolimit vor allem von Männern abgelehnt
Im Gegensatz zu den Deutschen sind rund drei Viertel der Italiener, Belgier, Spanier und Niederländer für ein Tempolimit auf der Autobahn. Am häufigsten begründen sie das damit, dass die Zahl der Unfälle dadurch abnehme. Dieses Argument sehen die deutschen Autofahrer ebenfalls (20 Prozent), ihnen ist es jedoch wichtiger, schnell zu fahren (32 Prozent), zeigt die Studie von AutoScout24. Die Deutschen sprechen sich knapp mehrheitlich gegen eine Begrenzung aus. Das liegt vor allem an dem männlichen Teil der Bevölkerung: Zwei von drei Männern sind gegen ein Limit, während die deutschen Frauen dies mit 56 Prozent befürworten. Sie geben jeweils fast doppelt so oft an, dass sich die Anzahl der Unfälle (26 versus 15 Prozent der Männer) verringern und sie sich sicherer beim Fahren fühlen würden (16 versus acht Prozent der Männer). Das Argument schnell fahren zu wollen, ziehen deutsche Männer dagegen wesentlich häufiger heran (39 versus 25 Prozent der Frauen). (sno)