Landsberg (Gorzow). Der Handel zwischen Deutschland und Polen hat sich seit der EU-Erweiterung wesentlich vereinfacht. „Dass die Unternehmen seit dem 1. Mai ohne den bisherigen großen Aufwand an der Grenze ihre Waren grenzüberschreitend verkaufen können, ist der Hauptvorteil“, sagte der Abteilungsdirektor in der Deutsch-Polnischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft (TWG) Landsberg (Gorzow), Holger Köhn, in einem dpa-Gespräch. Auch der Immobilienerwerb sei jetzt bis auf wenige Ausnahmen für Deutsche leichter. Mit der Grenzöffnung sind alle bisher Zeit aufwendigen Prozeduren wie Einfuhrumsatzsteuer- und Zollformalitäten weggefallen. „Es ist fast schon ein Inlandsmarkt, was ja auch das Ziel ist“, erläuterte Köhn. Jetzt könnten auch relativ kleine Firmen Auslandsbeziehungen aufbauen – was zuvor am bürokratischen Aufwand scheiterte. Je näher Polens EU-Beitritt rückte, desto intensiver fragten Unternehmen laut Köhn nach ihren Möglichkeiten. Die Hälfte der Interessenten wollte Informationen zu allgemeinen wirtschaftlichen Bedingungen im jeweils anderen Land, zehn Prozent zum Thema Investitionen. Die Anfragen kamen zur Hälfte aus der unmittelbaren Grenzregion, zur anderen Hälfte aus entfernteren Regionen in Deutschland und Polen. „Dies hat sich auch nach dem 1. Mai nicht geändert“, stellte Köhn fest. Das Interesse komme vorrangig aus den Branchen Bau, Metallbearbeitung, Logistik, Transport und Kfz-Zulieferindustrie. Aber auch Unternehmensberatungen sowie das Holz und Textil verarbeitende Gewerbe hätten professionelle Unterstützung erbeten. „Viele Unternehmen suchen in Polen einen Produzenten, der bestimmte Teile für sie fertigen kann.“ Zu möglichen Geschäftsabschlüssen in den vergangenen 100 Tagen konnte der Abteilungschef keine Angaben machen. Dafür sei der Zeitraum viel zu kurz. „Von der ersten Anfrage bis zur Investitionsentscheidung vergeht häufig ein Jahr.“ Nach Köhns Einschätzung interessiert sich die grenznahe deutsche Seite immer noch zu wenig für die Entwicklung in Polen. Im Gegensatz dazu beschäftigten sich Polen mehr mit dem, was westlich der Oder geschieht. Dies hänge möglicherweise mit der Wende zusammen, als sich der Blick der Ostdeutschen zunächst nach Westen richtete, meinte der Wirtschaftsförderer. Auch beherrschten mehr Polen die deutsche Sprache als Deutsche Polnisch. (vr/dpa)
Wirtschaftsförderer: Handel mit Polen einfacher – Viele Anfragen
Zwischen Polen und Deutschland ist fast schon ein Inlandsmarkt entstanden, sagen Experten – doch die Deutschen interessieren sich noch zu wenig für die Entwicklug in Polen