Weltschifffahrtsmärkte: Erholung nicht vor Mitte 2010 zu erwarten

03.04.2009 17:01 Uhr
Herrmjann Ebel
Hermann Ebel
© Foto: Arndt

1.Medientreff der Hansa Treuhand in Hamburg / „Großcontainerschiffen droht ähnliches Schicksal wie den Super-Tankern“

Hamburg. Mit einer nachhaltigen Erholung der Weltschifffahrtsmärkte ist nicht vor der zweiten Jahreshälfte 2010 zu rechnen. Davon geht der Hamburger Reeder und Gründer des Schiffsemissionshauses Hansa Teuhand GmbH, Hermann Ebel, aus. Vor den Teilnehmern des 1. Medientreffs in Hamburg ging der Firmenchef auf die aktuellen Entwicklungen in der Schifffahrt ein. Die Zusammenkunft von Wirtschafts- und Schifffahrtsjournalisten soll künftig im Zwei-Monats-Abstand durchgeführt werden. Ebel sagte weiter, dass die Schifffahrtsbranche die kommenden Monate mittels eines umfangreichen Maßnahmenbündels über die Runden kommen müsse. Charterratenzugeständnisse gegenüber Linienreedereien nach dem Auslaufen von bestehenden Verträgen seien zum Beispiel unumgänglich. Allerdings warnte Ebel vor Dumpingpraktiken. „Die Chartermärkte sind heute in einem Grade transparent, dass solche Abschlüsse binnen weniger Minuten rund um den Globus bekannt sind. Das hilft keinem weiter“, warnt der erfahrene und erfolgreiche Hamburger Reeder. Ein Unternehmen wie Hansa Treuhand setzt unter anderem auf das Instrument „Containerschiff-Pool“, kurz CSA (Containership Association“). 2001/2002 ins Leben gerufen und im Zeichen allgemeinen Hausse in den Hintergrund getreten, sei diese Einrichtung gemeinsam mit Partnern inzwischen wieder reaktiviert worden. „Das System arbeitet gut, und wir sind derzeit intensiv dabei, neue Mitglieder zu gewinnen“, berichtete Ebel. Rückgrat des Pools seien Containerfrachter mit 1700 TEU, doch gäbe es auch Schiffe mit 2800 TEU. Aktuell laufe ein Test mit einem 3500-TEU-Schiff. Seine bereits in der Vergangenheit immer wieder geäußerte kritische Haltung zu Großcontainerschiffen mit Stellplatzkapazitäten von 10.000 TEU aufwärts sieht Ebel durch die aktuellen Entwicklungen in der Weltcontainerschifffahrt bestens bestätigt. Seine These: Zahlreichen der in den kommenden Monaten schrittweise bis 2011 in Fahrt kommenden Großcontainerschiffen droht ein ähnliches Schicksal wie einst den Riesentankern (ULCC) in den 1970-er Jahren: Sie steuern direkt von der Werft auf einen Aufliegerplatz zu. „Insofern scheint sich Geschichte auch in diesem Fall zu wiederholen“, erwartet der Hamburger Schifffahrtsexperte. Denn die Großcontainerschiffe kämen zu einem Zeitpunkt in Fahrt, da überall auf der Welt Ladungsmengen als Folge der Finanzmarktkrise immer knapper würden. Durch diesen Frachtmangel drohe aber einer der wesentlichen Systemvorteile der Großfrachter sofort wegzufallen: der Stückkostenvorteil dank des Massentransportes von Containern. Statt die Schiffe, wie eigentlich einmal von den Auftraggebern geplant, auf den großen Rennstrecken einzusetzen und dabei zugleich nur eine stark begrenzte Anzahl von Häfen anzulaufen, müssten diese Schiffe jetzt mehr Häfen bedienen, um Ladung zu generieren. Doch genau das werde nicht gelingen, zumal auch längst nicht alle Häfen – etwa in Europa – in der Lage sind, diese Frachter ohne Einschränkungen abzufertigen. Den Höhepunkt der Ablieferung der Container-Saurier erwartet Ebel für das Jahr 2011. Dann werden rund 75 Prozent der in dem Jahr auszuliefernden Container-Stellplatzkapazität auf diese Schiffe entfallen. (eha)

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