Koblenz/Düsseldorf. Laut einem Bericht der Wirtschaftswoche (Wiwo) gibt es offenbar gar kein Angebot von Formal-1-Chef Bernie Ecclestone für die Rennstrecke. Genau dies hatte der ehemalige Formel-1-Chefvermarkter kürzlich in einem Interview behauptet.
In Nürburgring-Kreisen heißt es, dass Ecclestone nicht zum engeren Kreis der Bieter gehörte, die im Datenraum Zugriff auf vertrauliche Geschäftsunterlagen hatten. Er soll auch kein verbindliches Angebot abgegeben haben, sondern allenfalls in einer früheren Phase des Verkaufsprozesses ein unverbindliches, schreibt die Wiwo. Stattdessen herrscht laut dem Bericht offenbar große Not bei Insolvenz-Sachwalter Jens Lieser (Koblenz) und Sanierungsgeschäftsführer Thomas Schmidt (Trier): Beim Ablauf der ursprünglichen Bieterfrist im Dezember lag kein einziges substantiiertes Angebot vor. Das habe Lieser in einem Schreiben an das Magazin erstmals öffentlich eingestanden.
Demnach gab es bis zum ursprünglichen Stichtag (11. Dezember) nur Angebote von zwei Bietern: Vom Düsseldorfer Automobil- und Motorsportzulieferer Capricorn sowie von der Finanzinvestor HIG Capital mit Hauptsitz in Atlanta. Capricorn soll laut Wiwo rund 50 Millionen Euro für den Komplex geboten haben, HIG rund 90 Millionen. Beide Angebote enthalten Klauseln, nach denen die volle Kaufpreisfälligkeit vom Erreichen bestimmter wirtschaftlicher Ziele abhängt. Beide Angebote genügen angeblich nicht den Forderungen der Insolvenzverwalter, die neben einem ein Finanzierungskonzept auch ein Konzept für die Nutzung der Rennstrecke und den weiteren Bauten verlangen. Zusätzlich zur Rennstrecke hatte die Regierung von Rheinland-Pfalz unter Kurt Beck (SPD) für 330 Millionen Euro ein Museum, ein Shopping-Boulevard, Hotels, Restaurants, eine Diskothek, ein Feriendorf, Veranstaltungsräume und eine Halle für mehrere tausend Zuschauer gebaut, die nie profitabel waren.
Lieser weise in seinem Schreiben noch darauf hin, dass man trotz der Verzögerungen weiterhin hoffe, den Verkaufsprozess im ersten Quartal 2014 abschließen zu können. Das scheint ehrgeizig. Einerseits hängt ein Verkauf von der Zustimmung der EU-Kommission ab, die wegen der Investitionen des Landes ein Beihilfeverfahren eingeleitet hat. Außerdem laufen Beschwerden bei der EU-Kommission über den Verkaufsprozess vom ADAC und dem Verein „Ja zum Nürburgring e.V.“ (diwi)