Berlin. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hat angesichts geplanter massiver Sicherheits-Checks der Bahnen in Deutschland und Europa vor einem Stillstand des Güterverkehrs gewarnt. Jetzt sollte „nach Lösungen gesucht werden, die die Sicherheit der Fahrzeuge erhöhen, ohne gleichzeitig den gesamten Schienengüterverkehr in Europa faktisch lahm zu legen“, schrieb der Minister in einem Brief an das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) in Bonn. So drohen nach dem Bahnunglück im italienischen Urlaubsort Viareggio mit 24 Toten der Deutschen Bahn und anderen europäischen Eisenbahnen Sonderprüfungen für die Achsen ihrer Güterwagen. In Viareggio hatte es am 29. Juni 24 Tote gegeben, nachdem ein Flüssiggas-Waggon wegen einer gebrochenen Achse entgleist und explodiert war. Tiefensee sicherte dem EBA-Präsidenten Gerald Hörster die volle Unterstützung zu, nachdem das Amt wegen rigider Prüfauflagen an die Deutsche Bahn und die ihr gehörende Berliner S-Bahn erheblich unter Beschuss geraten ist. In Berlin, wo am 1. Mai ein S-Bahn-Zug wegen einer gebrochenen Radscheibe entgleist war, herrscht in Folge umfassender Zugausfälle Chaos. „Der Zustand eines großen Teils der in Deutschland und anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union verkehrenden Güterwagenflotte gibt Anlass zur Sorge“, schrieb Tiefensee in dem der Deutschen Presse-Agentur dpa vorliegenden Brief. Zunächst sollte wie von Hörster vorgeschlagen, eine Anhörung über die Sicherheitsmaßnahmen am Räderwerk der Güterzüge erfolgen. „Im Lichte der dabei gefundenen technischen Vorschläge sollte dann so rasch wie möglich eine Abstimmung mit anderen europäischen Sicherheitsbehörden stattfinden, weil angesichts der in ganz Europa eingesetzten Güterwagenflotte ein nationaler Alleingang (bei den Sonderprüfungen) nicht in Frage kommen kann. Auch die Generaldirektion Verkehr der EU-Kommission sollte in die Abstimmung eingebunden werden, da nur ein europäisch koordiniertes Vorgehen die Sicherheit des Güterverkehrs nachhaltig verbessern kann.“
Tiefensee warnt vor Stillstand der Güterbahnen
Bundesverkehrsminister fordert Lösungen für mehr Sicherheit im Schienengüterverkehr