Tiefensee für Erhalt von Scandlines in Rostock

16.06.2009 17:08 Uhr
Wolfgang Tiefensee
Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD)
© Foto: ddp

Verkehrsminister weist Vorwürfe zurück: Alteigentümer Deutsche Bahn und die dänische Regierung sollen Gespräche mit Finanzinvestoren suchen

Rostock. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hat die Hoffnung geäußert, dass die Arbeitsplätze der Fährreederei Scandlines am Standort Rostock erhalten bleiben. „Ich bin an der Seite derjenigen, die dafür kämpfen, dass der Standort in Rostock bleibt“, sagte Tiefensee heute in Rostock. Er setze sich gemeinsam mit Deutsche-Bahn-Chef Rüdiger Grube dafür ein. „Ich weiß, dass Herr Grube aktuell in Gesprächen mit den Vorständen von Scandlines ist.“ Das Unternehmen hatte vergangene Woche angekündigt, die Verwaltung aus Rostock nach Puttgarden in Schleswig-Holstein verlagern zu wollen und gleichzeitig 400 der insgesamt 2400 Mitarbeiter im Konzern abzubauen. Nach Angaben eines Scandlines- Sprechers betrifft dies 200 Beschäftigte in Dänemark und 200 in Rostock. Die Verlagerung nach Puttgarden treffe rund 70 Mitarbeiter. Der Scandlines-Vorstand berate derzeit mit der Arbeitnehmervertretung, sagte der Sprecher. Auch bei der Reederei Scandlines, die acht Routen über die Ostsee bedient, waren als Folge der Wirtschaftskrise die Frachtraten zurückgegangen. Das hatte den Spardruck nochmals erhöht. Verkehrsminister Tiefensee wies in Rostock Vorwürfe zurück, sein Ministerium würde sich zu wenig um die aktuelle Entwicklung bei dem Unternehmen kümmern. Ansprechpartner seien Scandlines selbst auf der einen Seite sowie die ehemaligen Inhaber, die Deutsche Bahn und die dänische Regierung, auf der anderen Seite. Er halte nichts davon, wenn sich verschiedene politische Ebenen gegenseitig den Schwarzen Peter zuschöben. Im Jahr 2007 war die Fährreederei für 1,56 Milliarden Euro an die Finanzinvestoren Allianz Capital Partners und 3i aus Großbritannien sowie die Deutsche Seereederei (DSR) in Rostock verkauft worden. Seither drückten 1,1 Milliarden Euro Schulden auf die Bilanz, im vergangenen Jahr mussten 71 Millionen Euro an Zinsen gezahlt werden. Dies entsprach mehr als der Hälfte des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in Höhe von 139 Millionen Euro. (dpa)

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