München. Digitale Buchstaben statt Tinte – in Deutschland zeigt sich das Angebot an elektronischen Lesegeräten noch dürftig. Eines der wenigen hierzulande angebotenen Geräte ist Sonys E-Book-Reader PRS-505. Der Lesebildschirm im Taschenbuchformat macht einen sehr wertigen Eindruck: Hinter einem braunen Einband aus Lederimitat verbirgt sich ein sechs Zoll großes monochromes Display. Im Vergleich mit einem PC-Monitor beeindruckt die gute, flimmerfreie Lesbarkeit der Buchstaben. Der Aufbau einer neuen Buchseite dauert in der Regel keine Sekunde. Ein Lesezeichen lässt sich einfach per Knopfdruck setzen. Die Handhabung ist einfach, dennoch stören die vielen Knöpfe. Offenbar hält Sony beim eBook nicht viel von der Ein-Knopf-Philosophie. Leider, denn so bleibt weniger Platz für das Display, welches etwas klein ausfällt. Weiteres Manko: Im Display spiegeln sich Sonne oder Deckenlampen - das trübt die Leselust gewaltig. Der PRS-505 unterstützt eine Reihe von Dateiformaten: Neben dem altbekannten PDF, RTF und TXT liegt ihm auch das offene ePub-Format. Während das Lesen von Buchseiten, sehr angenehm ist, erwies sich das Zeitungsabo als unpraktisch. Zum einen unterstützen nur sehr wenige Zeitungsverlage die offene ePub-Technologie, anderseits nervt es schnell, wenn alle Artikel in festgelegter Reihenfolge durchgeblättert werden müssen. Außerdem büßt eine Zeitung oder gar Zeitschrift massiv an Qualität ein, wenn aus dem Layout nur noch der Text dargestellt werden. Als PDF-Version dauert das Laden der Seiten einfach noch zu lange. Für textlastige Fachinformationen ist der Sony-Reader hingegen eine gute Wahl. Jederzeit und vor allem unabhängig vom Zugriff auf das heimische Bücherregal, kann auf die gewünschte Information aus tausenden von Büchern zugegriffen werden. Dank der Möglichkeit über eine Speicherkarte zusätzlichen Platz für Lesestoff zu schaffen, passen bis zu 13.000 elektonische Bücher auf den PRS-505 . Wer nicht nur Papier, sondern auch Strom sparen will, dem wird der E-Ink-Display zusagen. Dieser benötigt nur Strom, wenn sich Inhalte auf dem Bildschirm ändern. Daher gibt Sony die Akkulaufzeit nicht in Stunden, sondern in umgeblätterten Seiten an. Diese beträgt laut Herstellerangaben rund 6800 Seiten. Wer unbedingt seine Bücherregale ausmisten und im Urlaub anstelle eines halben Koffers Strandlektüre nur noch ein handliches Lesegerät tragen will, der sollte sein Glück mit einem eBook-Reader versuchen. Wer dagegen nicht nur Texte, sondern auch Zeitschriften, Magazine oder gar Bilder betrachten möchte, dem sei vom Sony-Reader abgeraten. Und jede Leseratte, die nicht auf das leise Rascheln der Buchseiten beim Umblättern verzichten kann, wird dem technischen Spielzeug sowieso nichts abgewinnen. Zwar überzeugt der Sony E-Book-Reader nicht in jedem Detail, dennoch liegt die Zukunft des Lesens in der digitalen Darstellung. Nicht jeder Nutzer wird sich – vor allem bei den derzeitigen Preisen für das elektronische Lesegerät und den passenden Lesestoff – vom gedruckten Papier abwenden. Ebenso wie beim MP3-Player, braucht es einen Anbieter, der mit einem durchdachten und vor allem leserfreundlichen Konzept einen Trend setzt. Wahrscheinlich kommt diese Innovation nicht aus den großen Belletristik-Verlagen, die sich lieber an der alten Rechtschreibung festklammern, statt Zukunftsvisionen zu begleiten. (sb) Sony E-Book-Reader PRS-505. Größe: 122*175,3*7,6 mm, Gewicht: 260 g, Bildschirm: 6 Zoll, Auflösung: 170 dpi, unterstütze Formate: ePub, BBeB, PDF, MS Word, TXT, RTF, MP3, AAC, JPG, GIF, PNG, BMP, eingebauter Speicherplatz: 192 MB, Memorystick- und SD-Karteneinschub, Preis: rund 250 Euro
Testbericht: Elektronische Tinte vor Augen
Die Zukunft des Lesens liegt in der digitalen Welt: Ein Testbericht von Sonys E-Book-Reader PRS-505