Studie: Hamburg muss Hinterlandverkehre stärken

03.05.2012 09:22 Uhr
straubhaar_620
HWWI-Chef Thomas Straubhaar
©Foto: HWWI

Um seine Position als führender europäischer Seehafen zu behaupten, muss der Hamburg sein Hinterland-Anbindungen ausbauen. So das Ergebnis einer aktuellen Studie des HWWI

Hamburg. Dass der Hamburger Hafen die Elbvertiefung bekommt, ist gut und für den Hafen lebenswichtig. Doch das allein reicht vor dem Hintergrund des an Schärfe gewinnenden Wettbewerbs in Nordwesteuropa nicht aus. Auch die Seehafen-Hinterland-Verbindungen müssen rasch ausgebaut und weiterentwickelt werden. Das ist eine der Kernbotschaften einer neuen Hinterland- und Handelsweg-Studie, die die Hamburger Sparkasse (Haspa) beim Hamburger Weltwirtschafts-Institut (HWWI) in Auftrag gegeben hatte und die jetzt in der Hansestadt vorgestellt wurde.

HWWI-Chef Thomas Straubhaar und sein Team arbeiteten in den Papier unter anderem heraus, dass die traditionellen Handelspartner Hamburgs zwar Asien – und hier im Besonderen China - und auch Lateinamerika blieben. Neue, starke Zentren wirtschaftlichen Wachstums seien jedoch auch Staaten in Ost- und Zentraleuropa, die sogenannten MOE-Länder. Um diese Staaten optimal zu erreichen, spielten die Verkehrsträger Bahn, aber auch das Binnenschiff eine wichtige Rolle. Hamburg halte zwar nach wie vor den Ruf, Europas größter Eisenbahnhafen zu sein, doch damit könne sich die Hansestadt nicht zufrieden geben. „Es gilt, das Schienennetz weiter auszubauen, um die dynamischen wirtschaftlichen Entwicklungen in zahlreichen Regionen Europas, vor allem in den urbanen Zentren, auch für das Wachstum des Logistikstandortes Hamburg zu nutzen“, forderte Straubhaar. Der HWWI-Professor hält es daher für unverzichtbar, Schienengroßprojekte wie die sogenannten Y-Trasse in Norddeutschland endlich in Angriff zu nehmen. Der Anteil des Verkehrsträgers Bahn am Seehafenhinterland-Verkehr des Hamburger Hafens müsse mittel – und längerfristig weiter steigen. Straubhaar räumte allerdings auch ein, dass der Ausbau von Verkehrswegen in Deutschland generell inzwischen sehr langwierig geworden sei. Das liegt nicht nur an den begrenzten finanziellen Ressourcen, sondern auch am weiter wachsenden Widerstand von Teilen der Bevölkerung.

Bahn-Anbindung nach Osteuropa wichtig

Dass auch neue Hafenmitbewerber in Polen, allen voran Danzig oder Gdingen (Gdynia), verstärkt auf den Verkehrsträger Bahn setzten, müsse in Hamburg mit großer Aufmerksamkeit verfolgt werden. Damit würden auch Länder in Mittel- und Osteuropa gut erreichbar, die Hamburg bislang zu seinen wichtigen Partnern zähle. In Polen habe man es zudem geschafft, ein besonderer Nutznießer der übergeordneten EU-Verkehrsnetzprojekt-Förderung zu werden. Die Chancen des Verkehrsträgers Schiene in der Wechselbeziehung zwischen Hamburg und den MOE-Staaten könnten noch größer sein, wenn es gelänge, zum Beispiel die unterschiedlichen Spurbreiten zu überwinden. So wird das russische Schienennetz ebenso von der Breitspur bestimmt wie im Übrigen auch das in Finnland oder in Teilen der Baltischen Staaten.

Auf den Verkehrsträger Schienen setzen aber auch verstärkt die Westhäfen, allen voran Rotterdam (Stichwort: Betuweroute, d.Red.) und Antwerpen, das sich seit Jahr und Tag um eine Reaktivierung des sogenannten „Eisernen Rheins“ bemüht. Als weiteren Hinterland-Verkehrsträger von Bewandtnis sollte Hamburg auch die Binnenschifffahrt stärker nutzen. Das aber setzt vor allem die vermehrte Nutzung der Elbe flussaufwärts voraus.

Zu den europäischen Infrastrukturvorhaben, die auch und gerade für Hamburg von Bedeutung sind, gehört für Straubhaar der besonders von Dänemark forcierte Bau der festen Fehmarnbeltquerung. (eha) 

MEISTGELESEN


STELLENANGEBOTE


Sales Manager / Vertriebsprofi (m/w/d) Logistik - Neukunden & Projekte

Vertriebsgebiet Alsfeld · Homberg (Efze) · Kassel

KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Die VerkehrsRundschau ist eine unabhängige und kompetente Abo-Fachzeitschrift für Spedition, Transport und Logistik und ein tagesaktuelles Online-Portal. VerkehrsRunschau.de bietet aktuelle Nachrichten, Hintergrundberichte, Analysen und informiert unter anderem zu Themen rund um Nutzfahrzeuge, Transport, Lager, Umschlag, Lkw-Maut, Fahrverbote, Fuhrparkmanagement, KEP sowie Ausbildung und Karriere, Recht und Geld, Test und Technik. Informative Dossiers bietet die VerkehrsRundschau auch zu Produkten und Dienstleistungen wie schwere Lkw, Trailer, Gabelstapler, Lagertechnik oder Versicherungen. Die Leser der VerkehrsRundschau sind Inhaber, Geschäftsführer, leitende Angestellte bei Logistikdienstleistern aus Transport, Spedition und Lagerei, Transportlogistik-Entscheider aus der verladenden Wirtschaft und Industrie.