Schienennetz im Wüstensand: Deutsche Bahn wirbt um Ölscheichs

08.05.2006 08:40 Uhr

Bahnchef Mehdorn will ein Güternetz in den Vereinigten Arabischen Emiraten aufbauen

Dubai/VAE. Die Deutsche Bahn will bei ihrer internationalen Expansion als Logistikkonzern stärker in der arabischen Welt auftreten. Das Staatsunternehmen hat sich in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) um den Bau eines regionalen Schienennetzes für Güterverkehr beworben. Bahn-Vorstandschef Hartmut Mehdorn sagte am Samstagabend in Dubai, neben dem Aufbau der Infrastruktur sei es möglich, dass die Bahn die Strecke auch selbst betreiben werde. Allerdings werde das Projekt, um das sich ein internationales Bietergefecht abzeichnet, erst in zwei bis drei Jahren konkret. Zuletzt hatte die Bahn gegen den japanischen Mitsubishi-Konzern das Rennen um den drei Milliarden Euro teuren Bau eines S- und U-Bahn-Netzes in Dubai verloren. Mehdorn möchte die Bahn generell als Berater beim Aufbau des Eisenbahnnetzes anbieten. „Die Emirate müssen aufpassen, dass sie nicht irgendwann zehn verschiedene Bahnstandards im Land haben.“ Wichtig sei, dass ein „ganz schlichtes Eisenbahnrecht“ eingeführt werde. Gerade bei der Zertifizierung könne Deutschland als „das klassische Bahnland dieser Welt“ den Arabern helfen. Unterdessen nimmt die Vision einer großen Transrapid-Strecke am Persischen Golf konkretere Züge an. Die Überlegungen, ob der Hochgeschwindigkeitszug in der Region eine sinnvolle Alternative zum Rad-Schiene-System sei, kämen voran, sagte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) während seiner zweitägigen Reise in der Golfregion. Siemens und ThyssenKrupp wollen nach China endlich einen zweiten Exporterfolg der Magnetschwebe-Technik erzielen. Mehdorn sagte, zum reinen Personentransport sei der Transrapid für die Region sehr gut geeignet. Allerdings erwägen die beteiligten Golfstaaten, wegen ihrer boomenden Wirtschaft die Strecke auch für den Gütertransport zu nutzen. Sollte sich diese Variante durchsetzen, habe der Transrapid gegen die Rad-Schiene-Konkurrenz wohl keine Chance, sagte Mehdorn. (dpa/sb)

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