Wer kennt sie nicht – die zerflederten, meist völlig veralteten Straßenkarten, die sich im Handschuhfach stapeln und ihren Dienst genau dann versagen, wenn es darauf ankommt. So ist das kleine Dorf kurz vor Berlin, in dem der neue Kunde seinen Firmensitz hat, einfach nicht auf der Karte zu finden, weil es genau in der Pressfalte des sich schon seit Jahren langsamen auflösenden Straßenkarte abgedruckt ist – besser: war. Selbstredend kann gleiches auch mit einem Stadtplan passieren – vorausgesetzt man hat überhaupt einen vom Zielort. Diese Probleme kennen digitale Routenplaner nicht, denn sie nehmen dem Reisefreudigen die lästige Suche nach Städten, Straßen und Alternativrouten ab. Das Prinzip der geografischen Informationssysteme ist recht einfach: Ausgangspunkt, Zielort und individuelle Parameter wie Zwischenstops oder durchschnittlicher Kraftstoffverbrauch eingeben – den Rest erledigt die Software im Zusammenspiel mit dem Rechner. Natürlich lassen sich die Ergebnisse auch ausdrucken.
Bunte Vielfalt
Inzwischen sind mehr als genügend Routenplaner auf dem Markt. Die Zielgruppen der geografischen Informationssysteme sind sowohl Privatanwender, die einfach nur ihre Reiseroute für den kommenden Urlaub festlegen wollen, als auch Businessanwender, die täglich mit dem Auto oder mit dem LKW unterwegs sind. Selbst Routenplaner, die auf spezielle Interessengruppen wie Motorradfahrer, Caravanfans oder Radfahrer zugeschnitten sind, werden angeboten.
Angesichts dieses breit gefächerten Produktangebots, lässt sich mit Sicherheit für jeden Geschmack und jedes Bedürfnis der passende Routenplaner finden. Dementsprechend gewaltig sind die Preisunterschiede für die digitalen Straßenkarten. So sind die preiswertesten Routenplaner bereits ab acht Euro erhältlich, während für Profisysteme bis zu 1000 Euro fällig werden.
Die Komplexität und Quantität der vom Anwender individuell konfigurierbaren Features sowie Art und Umfang des verwendeten Kartenmaterials sind die entscheidenden Kriterien, die für diese Preisunterschiede verantwortlich sind. Darüber hinaus sind alle Routenplaner mit einem mehr oder weniger umfangreichen Hotel-, Restaurant- und Tankstellenverzeichnis ausgestattet. Manche geografischen Informationssysteme bieten zudem die direkte Anbindung an das Kursbuch der Deutschen Bundesbahn sowie Features zur individuellen Einstellung des Fahrzeugprofils oder für die Berechnung der internationalen sowie der ab Januar 2003 geltenden nationalen Mautgebühren für LKWs.
Auch der Umfang und die Art des Kartenmaterials weisen erhebliche Unterschiede auf, die sich natürlich auch auf den Preis auswirken. Während sich einige Routenplaner auf das deutsche Straßennetz beschränken, sind bei anderen auch Straßenkarten und Stadtpläne von deutschsprachigen Nachbarländern mit von der Partie. Darüber hinaus lassen sich verschiedene Routenplaner durch zusätzliches Kartenmaterial von europäischen Ländern wie Frankreich, Großbritannien oder Italien nahtlos erweitern. Schnittstellen zu Global Position Systemen (GPS) oder zu Personal Digital Assistents (PDAs), die unter den Betriebssystemen PalmOX oder Windows CE/PocketPC arbeiten, gehören schon fast zur Standardausstattung aktueller geografischer Informationssysteme. Inzwischen sind auch Routenplaner erhältlich, die nicht nur den tabellarischen Ausdruck der gewünschten Route ermöglichen, sondern diese auch als Sprachausgabe verarbeiten können. Selbst Routenplaner mit Profifeatures wie Außendienstplanung oder Flottenmanagement sind erhältlich.
Qual der Wahl
Weder Privat- noch Businessanwender kommen daran vorbei, sich genau zu überlegen, für welchen Zweck der Routenplaner benötigt wird und welche Ausstattungsmerkmale das digitale Informationssystem deshalb aufweisen sollte. Gerade für Routenplaner, die im beruflichen Alltag eingesetzt werden sollen, gilt dies umso mehr. So stellt ein Angestellter im Außendienst mit Laptop, Handy und schwerer Limousine andere Ansprüche an einen Routenplaner als ein Mitarbeiter einer Spedition, der mit einem 36-Tonner durch halb Europa donnert und zudem so seine Schwierigkeiten haben dürfte, wenn er einen Kunden in einem Altstadtviertel einer Großstadt beliefern muss.
Dennoch gilt mehr oder weniger für beide Berufsgruppen: Der Routenplaner sollte sich nach Möglichkeit permanent aktualisieren lassen. Im digitalen Zeitalter ist das kein Problem, denn die Hersteller bieten in der Regel einen Internetservice an, über den sich aktuelle Verkehrsinformationen abrufen lassen. Profisysteme sind darüber hinaus in der Lage, die auf diese Weise gewonnen Daten dynamisch bei der individuellen Routenplanung zu berücksichtigen. Allerdings hängt die Qualität dieses Serviceangebots stark vom jeweiligen Anbieter ab, denn alte Verkehrsinformationen werden durch den Download via Modem oder Netzwerkkarte nicht aktueller. Nicht zuletzt deshalb schadet es nie, sich gegebenenfalls beim jeweiligen Anbieter genau zu informieren, welche Daten er wann und in welchem Turnus uns Netz stellt. Darüber hinaus kann es in Abhängigkeit der Mitarbeiteranzahl eines Unternehmens von Bedeutung sein, ob der Routenplaner netzwerkfähig ist.
Testverfahren
LOGISTIK inside gab bei der Auswahl der Routenplaner nur ein Kriterium vor: Die fünf Kandidaten sollten nach Möglichkeit unterschiedliche Preissegmente abdecken und einen gängigen Standard-PC nicht überfordern. Dadurch ergab sich fast automatisch, dass sowohl Routenplaner für Privatanwender als auch geografische Informationssysteme für Profis mit in den Test aufgenommen wurden.
Aufgrund dieser Auswahlkriterien sah sich
LOGISTIK inside die Routenplaner "PowerRoute 5" von Gdata, die "Route Deutschland 2001/2002", die in Deutschland von Kochmedia vertrieben wird, das Profisystem "map & guide 8; Mitteleuropa City" von Map & Guide sowie Marco Polos "Großer Reiseplaner 2002/2003" und die "AutoRoute 2002" von Microsoft genauer an.
Wie bei jeder anderen Software, so war die erste Hürde, die die Routenplaner überspringen mussten, die reibungslose Installation. Zusatzpunkte konnten die Routenplaner dadurch bekommen, wenn im Lieferumfang Handbücher in digitaler oder gedruckter Form sowie Kurzanleitungen inklusive waren.
Während das Layout der Menüfenster eher eine untergeordnete Rolle spielten – da sich bekanntlich über Geschmack streiten lässt, wies
LOGISTK inside der Benutzerführung der Anwendungen mit einer Gewichtung von 20 Prozent eine tragende Rolle zu. Die Benutzeroberfläche, die jeweiligen Features sowie die Dokumentation der Routenplaner sollten übersichtlich und intuitiv zu bedienen sein.
Time is money, gilt besonders für Profisysteme und deshalb ging die Benotung des Kriteriums "Ladezeit der gewünschten Route" mit 15 Prozent in das Gesamturteil ein. Dabei sollten die Routenplaner jeweils eine innerstädtische Route in München, Strecke zwischen München und dem rund 120 Kilometer westlich gelegenen Thannhausen sowie die Route von München nach Hannover berechnen.
Die drei Prüfsteine "Darstellung der Routen" sowie "zusätzliche Features" und "Aktualität und Vollständigkeit der Informationen" wurden jeweils mit zehn Prozent gewichtet. Zudem ging das Preis-/Leistungsverhältnis mit 15 Prozent in die Gesamtnote ein.
Nur kleine Schwächen
Keiner der getesteten Routenplaner weist gravierende Mängel auf, so dass von einem Kauf abgeraten werden müsste. Lediglich Details von einigen Anwendungen sind besser gelöst als die anderer Programme. Dies liegt unter anderem daran, dass alle Anbieter der Routenplaner als Lizenznehmer beispielsweise auf das digitale Kartenmaterial von Navigation Technologies B.V. zurückgreifen. Dies gilt zum Teil auch für die Hotel- und Restaurantdatenbanken der geografischen Informationssysteme, die unter anderem aus dem Hause Varta-Führer GmbH stammen.
Die Installation, die mitunter bis zu 13 Minuten dauern kann, bereitet keinem Routenplaner größere Schwierigkeiten. In puncto Lieferumfang unterscheiden sich die Routenplaner zum Teil erheblich. So hat beispielsweise die Map & Guide GmbH ihrer Profisoftware sowohl einen Installationsleitfaden als auch ein Handbuch beigelegt, während bei Marco Polo lediglich drei CD-Roms im Lieferumfang enthalten sind. Natürlich bieten alle Programme ein digitales Hilferegister.
Hinsichtlich der Benutzerführung stehen sich zwei, wenn auch recht kleine Welten gegenüber. Während sich die Routenplaner von Kochmedia und Map & Guide layouttechnisch an der Benutzeroberfläche der Officepakete von Microsoft orientieren, sind die beiden Routenplaner von Gdata und Marco Polo vergleichsweise klar und damit intuitiver aufgebaut.
Erhebliche Unterschiede gibt es dagegen hinsichtlich der Rechenzeiten, die stark von den technischen Ausstattungsmerkmalen des PCs abhängig sind. Während der Routenplaner von Map & Guide die Strecke München-Hannover inklusive der individuellen Parameter in 20 Sekunden berechnet hatte, benötigte die Software von Kochmedia 40 Sekunden. Auf Platz zwei mit 25 Sekunden landete der Routenplaner von Gdata, Marco Polo und Microsoft mussten sich mit jeweils 30 Sekunden Platz drei teilen.
Die Qualität des Kartenmaterials sowie die Aktualität der Zusatzinformationen der getesteten Routenplaner ist im großen und ganzen recht zufriedenstellend. Allerdings sollten alle Anbieter, auch wenn sie lediglich Lizenznehmer sind, an der Aktualität der Zusatzinformation arbeiten. So ist beispielsweise in allen Routenplanern das Münchener Restaurant Ayutthaya aufgeführt, das vor über zwei Jahren seine Pforten geschlossen hat.
Die Einzeltests
Gdata: PowerRoute 5
PowerRoute 5 von Gdata richtet sich sowohl an private als auch geschäftliche Anwender. Zu einem akzeptablen Preis von knapp 20 Euro bekommen diese Zielgruppen zwei CD-Roms sowie ein Benutzerhandbuch. Die Installation verläuft reibungslos und ist nach rund sechs Minuten erledigt. Damit liegt der Routenplaner im Vergleich zu anderen Programmen ganz vorne.
So schnell die Installation von der Hand geht, so behäbig verhält sich die Software beim Öffnen. Das Menüfenster ist klar und übersichtlich aufgebaut. Auch ohne einen Blick ins Handbuch werfen zu müssen, kann der Anwender sofort mit der Routenplanung beginnen. Nur noch Abfahrtsort, gegebenenfalls Zwischenstopps oder Alternativrouten, das Ziel sowie die individuellen Fahrzeugparameter wie "langsames Auto", "Motorrad" oder "Wohnwagen" eingeben – und schon kann es losgehen. Über einen sensitiven Rand lässt sich die Kartenausschnitte bewegen.
Die individuell konfigurierbaren Features Hotel, Restaurant, Adressen oder die Suche nach bestimmten Objekten, die sich auf Wunsch alle in der Karte anzeigen lassen, sind ebenfalls sehr einfach zu bedienen. Darüber hinaus bietet der Routenplaner unter anderem einen Bußgeldkatalog sowie die Möglichkeit, sich per Mausklick aktuelle Verkehrsinformationen aus dem Internet zu ziehen.
PowerRoute 5 von Gdata ist ein gelungenes Produkt, das durch ein hervorragendes Preis-/Leistungsverhältnis besticht und sich durchaus auch für Businessanwender eignet.
Kochmedia: Route Deutschland 2001/2002
Eine Kaffeepause von 13 Minuten ist während der Komplettinstallation des Routenplaners Deutschland 2001/2002, der in Deutschland von Kochmedia vertrieben wird, angesagt. Allerdings bietet dieses geografische System auch die Möglichkeit, lediglich eine "schlanke" Version auf den Rechner zu installieren. Dies geht zwar schneller und spart Speicher, dafür dauert aber die Suche und das Laden der angeforderten Daten Routen länger, die zum Teil erst von einer der beiden CD-Roms eingelesen werden müssen.
Das Layout der Menüfenster orientiert sich an dem der Officepakete von Microsoft. Da die meisten Anwender den Umgang mit MS-Office gewohnt sind, sollte der Einstieg in die Software keine Schwierigkeiten bereiten. Allerdings ist die Benutzeroberfläche des Routenplaners nicht ganz so klar strukturiert und macht einen etwas leiblosen Eindruck. Die Eingabe der individuellen Parameter gestaltet sich zwar einfach, ist aber im Vergleich zu anderen Routenplanern weniger gelungen. Im Gegensatz dazu ist die Darstellungsqualität des Kartenmaterials – insbesondere innerhalb der Städte – vergleichsweise gut.
Die integrierten Zusatzinformationen wie Hotels, Flughafen oder historische Bauwerke sind in puncto Umfang sowie Aktualität befriedigend, aber zum Teil kommen sie nicht an den Standard anderer Routenplaner heran. Ansonsten unterscheiden sich die Features nicht von denen anderer Programme. Allerdings muss sich die Software hinsichtlich der Rechenzeit der Route München-Hannover mit 40 Sekunden mit dem letzten Platz begnügen.
Map & Guide: map & guide 8; Mitteleuropa City
Der Routenplaner map & guide 8 des gleichnamigen Unternehmens ist der Profi unter den getesteten Anwendungen. Entsprechend schnell gehen beispielsweise Installation und Routenberechnung von der Hand.
Die Benutzeroberfläche orientiert sich an denen der MS-Programme. Die Eingabe der individuellen Suchoptionen gestaltet sich recht einfach, wobei eine gesuchte Adresse zum Teil exakt nach der Hausnummer auf der Karte angezeigt wird.
Die Anwendung ist speziell auf Fahrten mit LKWs ausgelegt. Dementsprechend gestalten sich auch die jeweiligen Features, wobei sich die Parameter individuell entstellen lassen. Die aktuellen Verkehrsinformationen lassen sich vergleichsweise schnell aus dem Internet downloaden und dynamisch in die Routenplanung integrieren.
Der Routenplaner ist modular aufgebaut, so dass der Anwender weiteres Kartenmaterial wie "Deutschland extra" für Gefahrenguttransporten hinzu kaufen kann. Dies alles hat natürlich auch seinen Preis: Zwischen 765 und 2670 Euro.
Marco Polo: Großer Reiseplaner 2002/2003
Der Große Reiseplaner 2002/2003 von Marco Polo unterscheidet sich vom Prinzip und vom Aufbau nicht wesentlich von Gdatas PowerRoute 5. So lässt sich beispielsweise der Export der Daten auf einen Palm per Mausklick erledigen.
Darüber hinaus stellt Marco Polo viele zusätzliche Informationspakete wie Ski Alpin, Kletterhallen oder die Adressen der zwei bekanntesten Fastfoodketten zum kostenlosen Download bereit.
Dieser Service sowie eine direkte Schnittstelle zu den Fahrplänen der Deutschen Bundesbahn sind unter anderem dafür verantwortlich, dass der Routenplaner von Marco Polo um rund zehn Euro teurer ist als der von Gdata. Gerade für freizeitorientierte Anwender kann sich diese Investition lohnen.
Microsoft: AutoRoute 2002
Das geografische Informationssystem AutoRoute von 2002Microsoft unterscheidet sich vom Prinzip sowie von den grundlegenden Features nicht von den anderen Routenplanern. Allerdings ist die Anwendung etwas klarer und intuitiver aufgebaut als die Route Deutschland von Kochmedia. Einen Pluspunkt verdient sich der Routenplaner dadurch, dass er bei der Koplettinstallation lediglich 755 MB Speicher benötigt. Die Schnellinstallation kommt sogar nur mit 245 MB aus.
Auch wenn der Umgang mit dem Routenplaner keinem Anwender große Schwierigkeiten bereiten sollte, so sind die Benutzeroberflächen der Routenplaner von Gdata und Marco Polo besser strukturiert und damit intuitiver, denn mit ihnen sollten selbst Anwender zurecht kommen, die noch nie vor einem PC gesessen sind.
Da rund der Preis mit rund 70 Euro für die AutoRoute 2002 weit über denen vergleichbarer Anwendungen liegt, muss Microsoft auch mehr bieten. Sehr benutzerfreundlich ist beispielsweise der stufenlose Zoom, der sich über einen Schieber bedienen lässt. Darüber hinaus bietet die Software eine Reihe von zusätzlichen Features. So zum Beispiel eine Zeichenleiste mit deren Hilfe sich bestimmte Ort in der Karte markieren oder vergrößern lassen. Ob beispielsweise die integrierten Wörterbucherbücher mit Redewendungen aus 11 europäischen Sprachen oder der integrierte Eurorechner den relativ hohen Preis rechtfertigen, muss jeder Anwender selbst entscheiden.
Fazit
Sieht man von dem Profisystem aus dem Hause Map & Guide ab, so unterscheiden sich die getesteten Routenplaner in puncto Ausstattungsmerkmale kaum. Zumal beispielsweise das digitale Kartenmaterial oder die integrierten Restaurant- und Hotelführer Lizenzmodule sind. Ausschlaggebend für die eng nebeneinander liegenden Gesamtnoten sind die mehr oder weniger kleinen Unterschiede der Routenplaner hinsichtlich des Lieferumfangs, der Installation, des Layouts, der Benutzerführung sowie der Ladezeiten der zu berechnenden Routen. Nicht zuletzt dadurch ergab sich, dass die PowerRoute 5 von Gdata zu einem Preis von 19,99 Euro das beste Preis-/Leistungsverhältnis aufweisen konnte und nicht zuletzt deshalb bei
LOGISTIK inside der Testsieger ist.