Sydney/Australien. Die geplante Übernahme der traditionsreichen australischen Fluggesellschaft Qantas ist vorerst gescheitert. Das Übernahmekonsortium APA konnte in der gesetzten Frist bis Freitag nicht genügend Aktionäre auf seine Seite bringen. Die zuständige Behörde beschloss am Sonntag, ein Stunden nach Ablauf der Frist eingegangenes Aktionärsangebot nicht zu berücksichtigen. Die Kaufinteressenten, darunter die australischen Investmentbank Macquarie und der US-Großinvestor Texas Pacific, kündigten aber einen neuen Vorstoß an. APA hatte im Dezember 10,8 Milliarden australische Dollar (6,5 Milliarden Euro) für Qantas geboten. Das wäre die teuerste Übernahme in der australischen Geschichte gewesen. Seither haben sich die Aussichten für die Konjunktur und vor allem die Airline-Industrie stark verbessert. Der australische Aktienmarkt legte inzwischen 15 Prozent zu, die Qantas-Papiere 24 Prozent. Nach Angaben von Analysten wuchs unter Aktionären das Gefühl, die Airline werde unter Wert verkauft, obwohl das Management den Preis als fair bezeichnet und befürwortet hatte. Die 1920 gegründete Airline hat 37.000 Mitarbeiter und ist eine der profitabelsten Fluggesellschaften der Welt. Sie heißt im Volksmund „Fliegendes Känguru“ und ist das weltweit bekannteste australische Symbol. Qantas hat seit 1994 ununterbrochen schwarzen Zahlen geschrieben. Seitdem sie das Übernahmeangebot am 14. Dezember annahm, hat sie ihre Gewinnprognose zwei Mal erhöht. Qantas rechnet jetzt fast mit einer Verdoppelung des Gewinns vor Steuern auf 1,2 Milliarden australische Dollar. APA hatte am Freitag zunächst selbst das Scheitern des Projekts eingeräumt. Dann meldete das Konsortium Stunden nach Ablauf der Frist einen weiteren verkaufsbereiten Aktionär. Mit dessen Anteilspaket wurde die Hürde von 50 Prozent der Aktien übersprungen. Das hätte für eine Verlängerung der Frist gereicht. Insgesamt muss APA allerdings 70 Prozent der Aktionäre hinter sich bringen. Das Konsortium kündigte am Sonntag Berufung gegen den Ablehnungsbescheid an. „Eine Mehrheit der Aktionäre, die mehr als 50 Prozent des Aktienkapitals repräsentieren, haben ihre Unterstützung für das Angebot signalisiert“, teilte APA mit. Qantas kündigte eine Stellungnahme für Montagmorgen an. Die Gewerkschaften begrüßten das Scheitern der Übernahme. Sie hatten von Anfang an Sorge um die Arbeitsplätze. „Das bringt Erleichterung, weil wir jetzt mehr Sicherheit haben“, sagte Gewerkschaftsführer Peter Somerville im Rundfunk. (dpa/sb)
Qantas-Übernahme gescheitert
Keine ausreichende Mehrheit für Übernahmeangebot: Australische Fluggesellschaft Airline fällt vorerst nicht an Finanzinvestoren