Brüssel. Nach dem Start der EU-Mission Atalanta gegen Piraterie vor dem Horn von Afrika richtet die Europäische Kommission jetzt auch den Blick nach Asien. „Die Kommission überprüft derzeit, wie sie das Thema Sicherheit breiter angehen kann, nicht nur am Horn von Afrika, sondern auch in der Meerenge von Malakka (vor Malaysia) und vor Singapur, wo wir helfen wollen, auf jüngsten Erfolgen aufzubauen und die Zahl der Piratenüberfälle zu reduzieren“, sagte EU-Kommissar Joe Borg am Mittwoch in Brüssel in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Seeüberwachung ist ein Bereich, der sich jetzt schnell entwickelt und dazu beitragen wird, wichtige Routen in der Zukunft zu schützen.“ Die Gewässer vor Malaysia und Singapur sind eine wichtige Strecke etwa für Handelsschiffe von China nach Europa, die auch über den Golf von Aden zwischen Afrika und der arabischen Halbinsel führt. Dort hat die EU vor der Küste Somalias im Rahmen von Atalanta seit Dezember vier Schiffe und drei Aufklärungsflugzeuge im Einsatz. „Seit die Krise ausgebrochen ist, hat die EU auf der Suche nach Lösungen eine Führungsrolle übernommen“, sagte Borg. Für Atalanta sei derzeit eine Dauer von zwölf Monaten geplant. Allein im vergangenen Jahr sollen somalische Piraten rund 30 Millionen Dollar Lösegeld von Reedereien erpresst haben. Derzeit haben sie unter anderem den deutschen Flüssiggastanker Longchamp in ihrer Gewalt. Mit jährlich gut 16.000 Schiffen ist der Golf von Aden die wichtigste Handelsroute zwischen Europa, der arabischen Halbinsel und Asien. Die Piraterie verursache Kosten, da manche Reeder jetzt lange Umwege etwa um das Kap der Guten Hoffnung fahren ließen, sagte Borg. Auch stiegen die Versicherungskosten. Die Europäische Kommission rechnet nach Worten von Borg mit einem langen und mühseligen Kampf gegen die Seeräuberei vor dem Horn von Afrika. „Die Wurzeln der Piraterie an Land und auf dem Wasser zu bekämpfen, ist eine mühselige Aufgabe, wenn man das Fehlen staatlicher Institutionen in Somalia bedenkt“, meinte Borg. Als langfristige Lösung des Problems müsse in dem ostafrikanischen Land Ruhe und Ordnung wiederhergestellt werden. „Darum ist es wichtig, dass wir uns zusätzlich zu unserem Einsatz von Seestreitkräften nachhaltig darum bemühen, Somalia Frieden und Stabilität zu bringen.“ Der vom Bürgerkrieg zerrissene Krisenstaat hat seit fast zwei Jahrzehnten keine funktionierende Regierung mehr. In dem Machtvakuum floriert die Seeräuberei. Borg sagte zur Kritik, die Fischereipolitik der EU führe zu überfischten Gewässern vor Afrika und damit zu Anreizen für Fischer, als Seeräuber ihr Brot zu verdienen: „Wir müssen uns einzelne Fälle ansehen. Im Fall von Somalia sind die Voraussetzungen für gründliche wissenschaftliche Analysen zwar nicht gut, aber nach unseren Informationen sieht es so aus, als seien diese Gewässer weiter reich an Fischvorkommen.“ Die EU schließt mit afrikanischen Staaten Abkommen, die es europäischen Flotten erlauben, vor den Küsten Afrikas zu fischen. „Heutzutage ist Seeräuberei, bei der üblicherweise Besatzung und Fracht eines Schiffes als Geiseln genommen werden, ein extrem einträgliches Geschäft“, sagte Borg. „Klar übt Piraterie eine starke Anziehung auf viele Leute aus, wenn man die satten Gewinne bedenkt.“ (dpa)
Piraterie: EU-Kommission prüft mögliche Seeüberwachung in Asien
Seeüberwachung zum Schutz wichtiger Routen soll ausgeweitet werden