München. Es sind gute Nachrichten, vor allem für die Beschäftigten: Der Lastwagenhersteller MAN will angesichts der wieder anziehenden Konjunktur die Kurzarbeit an den deutschen Standorten wieder zurückfahren, teilte der Dax-Konzern am Mittwoch in München mit. Auch bei der Lastwagensparte von Daimler verhandeln die Verantwortlichen derzeit über ähnliche Maßnahmen. Doch während die Kollegen bei den Autobauern bereits über Sonderschichten und kürzere Werksferien sprechen, treten die von der Wirtschaftskrise arg gebeutelten Nutzfahrzeughersteller auf die Euphoriebremse.
Zwar sieht MAN-Finanzvorstand Frank Lutz eine Erholung der europäischen Nutzfahrzeugnachfrage, wie er jüngst sagte. Es dürfte aber in Europa ein langer Wiederaufstieg werden. Denn selbst wenn Auftragseingang und Neuzulassungen wieder steigen sollten, bis die Zahlen aus den Rekordjahren vor der Krise wieder in den Büchern stehen, werde es lange dauern, schreibt die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) in einer Studie. Vor allem bei den für MAN und Daimler wichtigen schweren Lastwagen stagnieren die Märkte in Europa weiter.
Bei beiden Herstellern sind die Verantwortlichen optimistischer. Vor allem will man die Zielmarke für die Erholung nicht am Rekordjahr 2008 messen. „Ein sinnvoller Vergleich für die Entwicklung der LKW-Märkte im laufenden Jahr ist auf Basis der Marktdaten der Jahre 2005 oder 2006 möglich", hieß es jüngst bei Mercedes-Benz Lastwagen. Das Niveau dieser Jahre peilen die Stuttgarter für die Jahre 2012/2013 an. Auch MAN hält das Jahr 2006 für eine realistische Basis.
Schwere Nutzfahrzeuge: Weiterer Rückgang der Neuzulassungen
Verglichen mit dem erfolgreichen Ausnahmejahr 2008 waren die Neuzulassungen in Europa im vergangenen Krisenjahr bei Lkw über 16 Tonnen um fast die Hälfte auf noch 164.600 Stück zusammengebrochen, auf manchen Märkten fiel die Talfahrt noch heftiger aus. Während es mittlerweile bei den leichten Nutzfahrzeugen wieder bergauf geht, sind die dicken Brummis in der alten Welt weiter keine Verkaufsschlager. Die Neuzulassungen gingen in den ersten fünf Monaten sogar weiter deutlich zurück.
Anders die Lage in Südamerika, vor allem dort kann MAN glänzen. Die 2009 von VW übernommene Latin-America-Sparte brummt. Auch Daimler setzt auf die guten Geschäfte jenseits des Atlantiks. „Hier zahlt sich unsere Internationalisierungsstrategie aus", sagt MAN- Personalvorstand Jörg Schwitalla der „Süddeutschen Zeitung". Doch auch er bleibt vorsichtig, denn das boomende Geschäft kann die schwachen Märkte in Europa nicht ausgleichen. In der zweiten Jahreshälfte müssten in Deutschland weiter 12.000 der weltweit 48.000 Mitarbeiter freie Tage einlegen, aber es werde in den Werken nur noch 20 Arbeitstage weniger geben. Zuvor hatten die Fabriken an 50 Tagen stillgestanden. „Wir sehen einen leichten positiven Trend. Es gibt aber keinen Grund zur Euphorie."
MAN: Überzeugt positiver Blick in die Zukunft
Grund zur Hoffnung haben die Münchner aber doch: „Wir sind überzeugt, dass sich die Nachfrage nach Nutzfahrzeugen langfristig positiv entwickeln wird", sagt Lutz. Bereits vor Wochen hatte MAN-Vorstandschef Georg Pachta-Reyhofen seinen Aktionären geschrieben: „2010 wird kein Aufschwungjahr im klassischen Sinne, es kann aber eine Stabilisierung erwartet werden." Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler rechnet mit einer Trendwende. „Die jüngsten Anzeichen sprechen eine klar positive Sprache." Wie positiv, werden die Konzerne im August unter anderem mit ihren Quartalszahlen zeigen. (dpa)