NRW: Kammer befürchtet Verkehrskollaps

28.06.2010 13:15 Uhr
Stau
Steht der Verkehr in Nordrhein-Westfalen vor dem Kollaps? Laut IHK-Experte Joachim Brendel nimmt der Güterverkehr mittelfristig um 70 Prozent zu.

IHK erwartet mittelfristig bis zu 70 Prozent mehr Güterverkehr auf deutschen Autobahnen / Verkehrswege seien bereits jetzt schon "mehr als ausgelastet"

Münster. Nordrhein-Westfalen steht aus Sicht der Wirtschaft in naher Zukunft ein Verkehrskollaps bevor. „In den nächsten zehn bis 15 Jahren wird mit 70 Prozent mehr Gütertransport auf deutschen Autobahnen gerechnet. Auch auf den Schienengüterverkehr und die Binnenschifffahrt kommen deutliche Wachstumsraten zu", sagte Verkehrsexperte Joachim Brendel von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. „Die Verkehrswege in NRW, vor allem die Autobahnen und Schienenstrecken, sind aber jetzt schon mehr als ausgelastet." Am Ausbau dürfe nicht gespart werden, forderte der Kammer-Experte. Etwa müssten die Autobahnen im Münsterland und Ruhrgebiet durchgängig auf sechs Spuren erweitert werden.

Dringend notwendige Aus- und Umbauprojekte, die den Kollaps noch abwenden könnten, dürften auf keinen Fall dem Rotstift der Bundesregierung zum Opfer fallen, hieß es. Als Gründe für den deutlichen Anstieg nannte der IHK-Vertreter die Zunahme von Transporten „in immer kleineren Einheiten" und die zunehmende Arbeitsteilung auf internationaler Ebene bei der Herstellung eines Produktes. Zudem seien viele Branchen mittlerweile durch den Wettbewerbsdruck gezwungen, möglichst wenige Produkte im Lager zu haben. „Wo früher zweimal in der Woche ein großer Lastwagen kam, kommt heute zweimal täglich ein kleineres Fahrzeug mit den gerade zur Produktion benötigten Teilen", sagte Brendel.

Unternehmen brauchen mehr LKW für Kundenbelieferung

Auch die Wirtschaft selbst habe schon auf die Staus reagiert - leider aber mit noch mehr Verkehr, sagte der IHK-Experte: „Die Unternehmen brauchen heute oft zwei Lastwagen, um die gleiche Zahl an Kunden zu beliefern, die sie früher mit nur einen Lastwagen versorgt haben", erklärte Brendel.

Der Experte appelliere an den Bund, die Einnahmen aus Lastwagen- Maut, Mineralöl- und Kraftfahrzeugsteuer direkt wieder in die Infrastruktur zu stecken. Die Einnahmen würden zum Teil auch in die Finanzierung anderer Staatsaufgaben investiert, kritisierte er. Die Industrie- und Handelskammer mache sich deshalb für ein geschlossenes Finanzsystem für den Verkehrssektor stark. „Wird nämlich dort gespart, bedeutet das nicht nur Stau ohne Ende auf den Ost-West- und Nord-Süd-Achsen, sondern auch erhebliche finanzielle Verluste für die Wirtschaft", betonte Brendel. (dpa) 

MEISTGELESEN


STELLENANGEBOTE


Busfahrer (m/w/d)

Saarbrücken

KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Die VerkehrsRundschau ist eine unabhängige und kompetente Abo-Fachzeitschrift für Spedition, Transport und Logistik und ein tagesaktuelles Online-Portal. VerkehrsRunschau.de bietet aktuelle Nachrichten, Hintergrundberichte, Analysen und informiert unter anderem zu Themen rund um Nutzfahrzeuge, Transport, Lager, Umschlag, Lkw-Maut, Fahrverbote, Fuhrparkmanagement, KEP sowie Ausbildung und Karriere, Recht und Geld, Test und Technik. Informative Dossiers bietet die VerkehrsRundschau auch zu Produkten und Dienstleistungen wie schwere Lkw, Trailer, Gabelstapler, Lagertechnik oder Versicherungen. Die Leser der VerkehrsRundschau sind Inhaber, Geschäftsführer, leitende Angestellte bei Logistikdienstleistern aus Transport, Spedition und Lagerei, Transportlogistik-Entscheider aus der verladenden Wirtschaft und Industrie.